Begeisterung für die Vielfalt der Natur - eine Studie zu ehrenamtlichen Sammlern und Kartierern im Oldenburger Land

Im Lehrgebiet Umweltplanung der Jade Hochschule (Prof. Carola Becker) startete Ende 2011 in Kooperation  mit dem Landesmuseum Natur und Mensch ein Projekt: 

Begeisterung für die Vielfalt der Natur: die Beiträge ehrenamtlicher Sammler zum Aufbau des Naturalienbestandes im Landesmuseum Natur und Mensch. 

Das Projekt befaßte sich mit dem naturkundlichen Forschen im Oldenburger Land und dessen Verknüpfungen mit dem Naturschutz. Mitarbeiterin war Birgit Will (Dipl. Landschaftsökologin). Teilergebnisse wurden 2013 publiziert. Im April 2014 erschien ein Sammelband mit den Projektergebnissen: Carola Becker (Hg.): Begeisterung für die Vielfalt der Natur (mit Beiträgen von Peter-René Becker, Etta Bengen, Kirsten Preuss, Birgit Will). 290 Seiten, Verlag Isensee.

Ohne Kenntnisse über die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten in einer Region ist der Naturschutz nicht denkbar. Es sind naturbegeisterte Menschen, die von Beginn an bis heute die Natur entdecken und das gewonnene Wissen verbreiten. Sie gehörten und gehören keineswegs immer einer entsprechenden Fachdisziplin an, sondern erarbeiten sich ihre Spezialkenntnisse autodidaktisch. 

In den Anfängen seit dem 18. Jahrhundert gehörte das Sammeln und Archivieren zu den wichtigsten Methoden. Herbarien wurden angelegt, Käfer oder Schmetterlinge präpariert und in Kästen sortiert. In privaten Sammlungen, aber vor allem in den öffentlichen Naturkundemuseen wurden die Sammlungsstücke aufbewahrt, gezeigt und für Lehrzwecke verwendet.

Seit der Wende zum 20. Jahrhundert haben sich die Erfassungsmethoden geändert; vorrangig werden die Funde in Karten dokumentiert, um keine Exemplare der Tier- und Pflanzenarten entnehmen zu müssen. Bundes- und landesweite Programme organisieren seit über 70 Jahren eine systematische Kartierung der Tier- und Pflanzenwelt. Die bekannten "Roten Listen" z.B. sind ohne diese Arbeit nicht denkbar. Ein sehr großer Teil der Erfassungen wird ohne finanzielle Honorierung geleistet. "Citizen Science" ist inzwischen der Begriff für dieses auch in anderen Staaten übliche ehrenamtliche Engagement.

Der Naturschutz als eine soziale Bewegung ist in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden. Etwa ab 1900 hatte er eine erste erfolgreiche Phase. Die kultur- und geistesgeschichtlichen Wurzeln des Naturschutzes sind sehr facettenreich, aber ohne naturkundliches Wissen wäre seine Entfaltung nicht möglich gewesen. Naturkunde wurde zum Naturschutz. Im Oldenburger Land waren es vor allem die Volksschullehrer, die als Protagonisten des Naturschutzes anzusehen sind. Sie wurden im Großherzoglichen Naturhistorischen Museum (heutiges Landesmuseum Natur und Mensch) in der Pflanzen- und Tierkunde geschult. Später kam der Botanische Garten als Lehrgarten hinzu. Naturkunde wurde zu einer wesentlichen Basis der Heimatkunde; es war die heimatliche Natur, die geschützt werden sollte. Die Volksschullehrer trugen das Wissen und Denken in den ländlichen Raum, organisierten sich 1895 im Landesverein für Naturkunde und wurden zunehmend von allen gesellschaftlichen Gruppen unterstützt.

Die Regionalstudie widmet sich den Zusammenhängen zwischen der unentgeldlichen Erforschung der Natur und dem Naturschutz seit dem 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Es wird der Frage nachgegangen, welche Rolle die Einzelpersonen, die Organisationen und insbesondere das heutige Landesmuseum Natur und Mensch spielten. Das Großherzogliche Naturhistorische Museum fungierte lange als Motor und Drehscheibe wissenschaftlicher Landesforschung im kleinen Land Oldenburg. Bestandteil der Studie sind Biografien der Protagonisten, die wesentlich zum Aufbau der heutigen vor allem botanischen Sammlungen im Landesmuseum beigetragen haben. Es wird hinterfragt, welche Netzwerke sie in den einzelnen Epochen aufgebaut und in welchen Kontexten sie gewirkt haben. Vor allem soll der Arbeitshypothese nachgegangen werden, daß die frühen Phasen des Naturschutzes in einer ländlichen Region geprägt waren von einer engen Verbindung der Schutzinteressen mit den land- und forstwirtschaftlichen Nutzungen des Landes.

Das Projekt wurde finanziert aus Mitteln der Jade Hochschule, der Landessparkasse zu Oldenburg, der EWE-Stiftung sowie der Stadt Oldenburg.