Vortrag: Der Filmtext - ein flexibler Chef* im dokumentarischen Erzählerteam

17. Oktober, 16 Uhr, Campus Wilhelmshaven, Hauptgebäude, Raum H 303

Gregor A. Heussen

Vortragsreihe des Instituts für Medienwirtschaft und Journalismus (InMWJ)

Gregor A. Heussen: Den Namen kennt in deutschen Fernsehredaktionen jeder und jede. Wenn er Filme anschaut, dann wird die Kritik kurz, sehr pointiert und meistens vernichtend. Er hat sehr hohe Erwartungen an die, die die deutschen Zuschauer im Fernsehen informieren und unterhalten wollen. Langeweile hasst er. Und Wörter, die in Texten immer wieder auftauchen, wie „Ganz zur Freude“ oder dergleichen, schmeißt er gleich in sein imaginäres „Sanatorium“.
Heussen ist Trainer und Dozent für Rundfunkanstalten. Er hat Generationen von Volontärinnen und Volontären ausgebildet, die heute zu den Gesichtern gehören, die jeder kennt, der gerne mal einschaltet. Viele seiner Schützlinge haben den Grimme-Preis bekommen, wie er selbst einst auch. Längst arbeitet Heussen auch als Autor. Er hat quasi das ABC der Dokumentarischen Dramaturgie, des Filmtextens und der Filmabnahme entwickelt. Nun will er auch die Studierenden des Studiengangs Medienwirtschaft und Journalismus an der Jade Hochschule zu präzisen Erzählformen antreiben. Das von ihm entwickelte Dramaturgie-Konzept „Der Erzählsatz“ und sein Filmtext-Werkzeug „Textperson“ gehören mittlerweile zum selbstverständlichen Vokabular vieler Redaktionen und Filmemacher.

Zu seinem Vortrag „Der Filmtext – ein flexibler Chef* im dokumentarischen Erzählerteam“ sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

Zum Inhalt des Vortrags: Bild, Geräusch, O-Ton, Musik und Schrift alleine können in Filmen toll erzählen, so lange die Geschichte inhaltlich und dramaturgisch einfach bleibt; im Netz, im Fernsehen, im Kino. Die meisten dokumentarischen Filmthemen aber sind inhaltlich kompliziert. Und müssen sich gegen Fake News und Propaganda behaupten.
Manchmal nennt man – wie noch vor 50 Jahren – den Filmtext „Kommentar zum Bild“; und nicht wenige Dokumentarische Filme klingen auch heute noch genauso wie ihre Ahnen: wie herablassende Alleswisser-Diavorträge. Zum Wegklicken und Abschalten.
Die Erkenntnisse der Neurobiologie und der Wahrnehmungspsychologie haben uns ganz andere Möglichkeiten erschlossen. Der Filmtext kann ein filmischer Akteur sein, der die anderen Mitspieler der Erzählung zu ihren besten Leistungen puscht und selbst all das anschaulich werden lässt, was sich der Kamera und dem Mikro entzieht.