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08.06.2017
Das „Jade Racing“-Team vor dem Stapellauf am Bornhorster See. <span>Foto: Piet Meyer/Jade HS</span>

Das „Jade Racing“-Team vor dem Stapellauf am Bornhorster See. Foto: Piet Meyer/Jade HS

Studierende starten mit selbstgebauten Beton-Kanus bei Regatta

Mit zwei selbstgebauten Kanus aus Beton starten Studierende des Bauingenieurwesens der Jade Hochschule am kommenden Wochenende bei einer Betonkanu-Regatta in Köln. Rund 1000 Studierende und Schüler_innen aus ganz Deutschland nehmen an der Veranstaltung teil.
Die technische Herausforderung war es, aus Beton ein leichtes und gleichzeitig robustes Kanu zu bauen. Die sportliche Herausforderung wird es sein, damit im Wettkampf die Konkurrenz zu überholen. „Bei dem Entwurf, Bau, Transport und Rennen sind gute theoretische Kenntnisse aus der Betontechnik gefragt“, erklärt Prof. Dr. Heinrich Wigger vom Institut für Materialprüfung der Jade Hochschule, der die Studierenden unterstützt. „Aber auch Engagement, Durchhaltevermögen und Teamwork.“ Beim Stapellauf der Boote auf dem Bornhorster See in Oldenburg haben die Kanus bereits das wichtigste Erfolgskriterium erfüllt – sie schwimmen.

Konstruktionsprozess – technische Herausforderung

Die Idee, an der Betonkanu-Regatta teilzunehmen, hatten die Studentinnen Vanessa Bockelmann und Katja Gehring. Gemeinsam mit elf Kommiliton_innen aus dem 5. Semester des Studiengangs Bauingenieurwesen bauten sie im vergangenen halben Jahr zwei schwimmfähige Boote aus Beton. Die theoretischen Grundlagen erlernten sie in den Vorlesungen, die praktische Arbeit erledigten sie neben dem Studium.
Als erstes musste eine Gussform bzw. Schalung her. „Wir haben uns für eine Außenschalung entschieden“, sagt Vanessa Bockelmann. Die Herstellung des Betons, das richtige Mischverhältnis von Sand, Zement und Zusatzstoffen war die nächste Herausforderung. „Wir haben ein Feinsand und Brechsand-Gemisch benutzt“, erklärt Kommilitone Bastian Blum. „Die Schwierigkeit lag darin, einen streichfähigen Beton zu entwickeln, der gut zu verarbeiten ist, aber auch an den Bootaußenwänden beim Auftragen haften bleibt. Zumindest weiß ich jetzt, warum wir uns im Studium mit Mischungsberechnung beschäftigt haben.“
Auch die Bewehrung, die den Beton zugfest macht, war ein entscheidender Faktor. Die Studierenden führten Versuche mit vier verschiedenen Bewehrungs-Arten durch und entschieden sich für Glasfaser.
Zehn Versuche an einem Modell sind entstanden, bis die Studierenden sich für eine Betonmischung und Bewehrung entschieden hatten. „Zwischendurch hatten wir schon mal einen Hänger und dann mussten wir uns wieder neu motivieren, weiterzumachen“, sagt Studentin Katja Gehring. Aber auch große Sprünge und der ein oder andere Aha-Moment seien dabei gewesen. Entstanden ist ein schwimmfähiges Betonboot: 5,40 Meter lang, 80 Zentimeter breit und 300 Kilogramm schwer.

Die Regatta – sportliche Herausforderung

Von der Jade Hochschule starten ein Herren- und ein Damen-Boot („Jade Racer 1 und 2“) mit jeweils zwei Personen. Für die Bootsführer_innen gab es vorab regelmäßig Paddelunterricht. Natürlich ist bei dem Rennen das ganze Team vor Ort. Aber ein Sieg muss es nicht unbedingt werden: „Für uns gilt der olympische Gedanke“, sagt Prof. Dr. Heinrich Wigger schmunzelnd. „Dabei sein ist alles.“
Die Idee einer Betonkanu-Regatta stammt ursprünglich aus den USA und wurde in Deutschland 1986 erstmals eingeführt. Veranstaltet wird die diesjährige 16. Wettfahrt von der Deutschen Zement- und Betonindustrie, gepaddelt wird auf dem Fühlinger See in Köln.

Warum schwimmt Beton?

Vor über 2000 Jahren entdeckte der griechische Gelehrte Archimedes das „archimedische Prinzip“. Als er ein Bad nahm, bemerkte er, dass das Badewasser über den Rand der Wanne schwappte – und zwar genau die Menge, die seinem Körpervolumen entsprach. Übertragen auf die Schifffahrt bedeutet das, dass ein Schiff durch das Verdrängen des Wassers Auftrieb erhält. Da die mittlere Dichte eines Schiffes geringer als die Dichte von Wasser ist, schwimmt es an der Oberfläche. Und das gilt auch für Boote aus Beton.

Unterstützung

Die Teilnahme der Jade Hochschule wurde unterstützt von dem Evangelischen Krankenhaus, Yeti Sport & Reisen, BASF Coatings GmbH und MC-BAUCHEMIE MÜLLER GmbH & Co. KG. Innerhalb der Hochschule erfuhren die Studierenden gute Unterstützung von den Professor_innen des Fachbereichs Bauwesen Geoinformation Gesundheitstechnologie (Abteilung Bauwesen) und den Mitarbeitern des Instituts für Materialprüfung Hermann Koop und Murat Ince.