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04.11.2016

Dr. Kerstin Dressel. Foto: Geert Oeser

Wie man Risiken passgenau und zielgruppengerecht kommuniziert

Risikokommunikation und Interkulturalität: Was diese beiden zunächst etwas sperrig anmutenden Begriffe miteinander zu tun haben, erläuterte Dr. Kerstin Dressel am Donnerstagnachmittag in der Jade Hochschule in Wilhelmshaven. Die Soziologin ist Vorstandsmitglied des Süddeutschen Instituts für empirische Sozialforschung in München und eröffnete die Vortragsreihe des Instituts für Medienwirtschaft und Journalismus in diesem Semester.

„Risikokommunikation muss kulturelle und soziale Kontexte berücksichtigen“, nannte Kerstin Dressel eine zentrale Schlussfolgerung für die Praxis, die sie aus den an diesem Nachmittag vorgestellten Untersuchungen ableitete. Nur so könne die Kommunikation an Betroffene zielgruppengerecht und passgenau sein, nachhaltig Verhaltensweisen ändern und von Risiken bzw. Gefahren bedrohte Menschen stärken.

 

 

 

Dr. Dressel und ihre Kollegen hatten unter anderem in einer Fünf-Länder-Vergleichsstudie die Wahrnehmung von zwei Infektionskrankheiten als Risiken untersucht: die des Hantavirus (in Frankreich, Deutschland und Finnland) und die des Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers (in Mazedonien und der Türkei). Bei beiden Krankheiten können hohes Fieber, Schmerzen, Hauteinblutungen und lebensbedrohliche Organschäden auftreten.

 

 

 

Die Forscher stellten fest, dass die Bevölkerung von Land zu Land und innerhalb eines Landes unterschiedlich stark für die Bedrohung durch die beiden Krankheiten sensibilisiert ist und dass nicht alle potenziell Betroffenen gleich gut über mögliche Schutzmaßnahmen und das richtige Verhalten im Fall einer Infektion Bescheid weiß. So ist das Hantavirus in Deutschland meldepflichtig, und in den sogenannten endemischen Regionen (dort, wo die Krankheit auftritt, zum Beispiel im Bayerischen Wald) weiß die Bevölkerung gut darüber Bescheid. In anderen Regionen ist die Krankheit dagegen kaum bekannt, und selbst Allgemeinmediziner sind häufig nicht dafür sensibilisiert.

 

 

 

In manchen Ländern ergaben sich auch Unterschiede zwischen Stadt- und Landbevölkerung sowie älteren und jüngeren Menschen. Solche Unterschiede, so Dressel, müssten die zuständigen Behörden bei ihrer Risikokommunikation berücksichtigen, um die richtige Botschaftsform, einen für die Betroffenen verständlichen Inhalt und das geeignete Medium auszuwählen.

 

 

 

Im Anschluss an den Vortrag ergab sich im voll besetzten Seminarraum noch eine lebhafte Diskussion zwischen der Referentin und den überwiegend studentischen Zuhörern, bei denen auch andere Risiko- und Gefahrenbeispiele wie BSE, EHEC, Tsunamis und der Amokläufer von München thematisiert wurden.

Katrin Busch


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