Dümmer - eine unvollendete Naturschutzgeschichte

Dieter Tornow (Beauftragter für Naturschutz im Landkreis Diepholz) und Frank Apffelstaedt (Naturschutzring Dümmer) haben am 18. Februar 2014 einen spannenden Vortrag zur Geschichte des Naturschutzes am Dümmer gehalten. Manche Überraschung hielten die Referenten für die Zuhörer bereit.

So reicht die Geschichte weit in die Vergangeheit zurück - die naturkundliche Entdeckung der Dümmerniederung geschah gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Bedeutende, noch weitgehend unerforschte Akteure, wie der Münsteraner Dr. Hermann Reichling, haben die Geschichte des Dümmer geprägt. Die heutige Situation resultiert aus einer jahrzehntelangen Verkettung zahlreicher Geschehnisse. Der Vortrag beendete die zweite Staffel der Vortragsreihe "Naturschutzdialog im Museum: heute und gestern". Am 11. Mai 2014 wird das Netzwerk Naturschutzgeschichte den Vortragsabend ergänzen mit einer Exkursion "Naturschutzgeschichte vor Ort". Die Organisation hat Michael Engels übernommen (UNB Stadt Oldenburg).

Tornow und Apffelstaedt erläuterten auch die aktuelle Situation am Dümmer. Sie betonten, dass eine nachhaltige Sanierung der Gewässerqualität nur durch Maßnahmen im gesamten oberen Einzugsbereich möglich sei. Große Unterstützung hierzu bietet die europäische Wasser-Rahmenrichtlinie. Ein zweites nach wie vor nicht bewältigtes Konfliktpotential liegt in der touristischen Nutzung des Dümmersees. Deutlich wurde an diesem Abend auch: Problemlösungen sind nur unter Einbeziehung aller Akteure möglich! Die am Dümmer gefundene kooperative Organisationsstruktur, verbunden mit Monitoring, Öffentlichkeitsarbeit und aktiver Gebietsbetreuung, ist der richtige Weg für den Naturschutz. Insgesamt gleichen diese Strukturen denen der Nationalparke - wenn auch in reduzierter Form.

Industrialisierung der nordwestdeutschen Landschaft?

In der Reihe Naturschutzdialog im Museum: gestern und heute stand der Vortragsabend am Dienstag, 5. März 2013 unter dem Titel Industrialisierung der nordwestdeutschen Landschaft? - Herausforderungen für den Naturschutz. Etwa 100 Zuhörer bewiesen, daß die Veranstalter hier ein spannungsvolles Thema aufgegriffen hatten.

In ihrer Einführung betonte Prof. Carola Becker, Jade Hochschule, die zentrale Bedeutung der Landschaft für den Naturschutz. Denn das Bundesnatur-schutzgesetz bezieht sich auf 100 % der Fläche. Zugleich ist Landschaft immer auch ein genutzter Raum, der historisch geworden ist und sich als Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen weiterentwickelt. Die Integration von Naturschutzzielen kann erfolgreich nur gelingen durch eine interessen-übergreifende Auseinandersetzung mit dem Kulturgut Landschaft. Hier sind deutliche Defizite, auch in der Landschaftsplanung festzustellen. Unsere Landschaften müssen wieder stärker Ausdruck einer demokratischen Willensbildung werden, ganz im Sinne der Europäischen Landschaftskonvention, in der ein 'Recht auf Landschaft' verankert ist.

Prof. Dr. Ortwin Peithmann, Raumplaner und bis 2011 tätig an der Universität Oldenburg, eröffnete den Abend unter dem provokanten Begriff der 'Unverantworteten Landschaften'.  In seinem Vortrag illustrierte er die große Vielfalt von Nutzungsansprüchen, die den ländlichen Raum industriell überformen. Daraus sind heute zum Teil Landschaften entstanden, die so niemand gewollt hat. Peithmann erläuterte die Gründe. In der historischen Entwicklung der vielen Instrumentarien und Gesetze wurden Privilegierungen und Sonderregelungen etabliert, die nicht mehr den heutigen Anforderungen und Bedingungen gemäß sind. Dazu zählte Peithmann den § 35 des Baugesetzbuches, der in hohem Maße für eine demokratisch nicht legitimierte Landschaftsentwicklung verantwortlich sei. Sein Resümé: der § 35 BauGB sollte grundlegend überprüft werden. Eine Meinung, die nicht von allem Zuhörern geteilt wurde, steht doch das im Grundgesetz verankerte Recht auf Eigentum entgegen. 

Dipl.-Ing. Ewald Tewes, Landschaftsplaner und Inhaber eines Büros für Landschaftsökologie und Umweltplanung, war der zweite Referent des Abends. Er griff in seinem Vortrag die jahrzehntealte Problematik der Landschaftsplanung auf: ihr gravierender Bedeutungsmangel. An Beispielen erläuterte er, daß Landschaften Geschichten erzählen, in denen es immer auch um menschliche Nutzungen der natürlichen Ressourcen ging. Was heute schützenswert erscheint, war früher manchmal eine Naturzerstörung. Diese Zusammenhänge sind oft nicht bekannt. Landschaftsplanung hat sich mit ihrem theoretischen Gerüst vom Dialog mit den Bürgern entfernt. Allgemeines Landschaftswissen und Mitmach-Kulturen fehlen. Vor allem die Neuschaffung qualitätvoller Landschaften bedarf der ganzen Breite gesellschaftlicher Kreativität und Aktivität. Tewes zeigte mit dem Hasbruch ein positives Beispiel.

Wie geht es weiter? Viele Teilnehmer wünschten sich ein öffentliches Forum, um die Thematik zu vertiefen. Insbesondere die Frage, wie 'verlorene Landschaften' jenseits historischer Vorbilder neu inwertgesetzt werden können, blieb offen. Vorgeschlagen wurde ein 'Landschaftstag'.

Erste Tagung zur Naturschutzgeschichte im Oldenburger Land

Im September 2009 nahmen etwa 80 interessierte Personen an einer ersten Tagung zur regionalen Naturschutzgeschichte teil: 
Naturschutz hat Geschichte! - Spurensuche im Oldenburger Land.

Die Tagung fand im Alten Landtag statt. Veranstalter waren die Stiftung Naturschutzgeschichte, die Stadt Oldenburg und die Jade Hochschule. Viele Organisationen haben die Tagung unterstützt: der NLKWN (Betriebsstelle Brake), die Oldenburgische Landschaft, die Universität Oldenburg, aber auch die Naturschutzverbände NABU (Oldenburger Land) und BSH sowie die Umweltstiftung Weser-Ems und der Förderverein Naturschutzgeschichte.

Die Tagung bot einen Querschnitt über den Wissensstand zur Oldenburgischen Naturschutzgeschichte. Wälder, Moore und der Vogelschutz waren ebenso Gegenstand der Vorträge wie die Geschichte des amtlichen Naturschutzes und von Naturschutzvereinigungen. Die Reichhaltigkeit der frühen Naturschutzbemühungen und das große Engagement der ersten Protagonisten wurde sichtbar. "Von dieser Vergangenheit aus soll die Tagung eine Brücke schlagen - über das Jahr 2009 und über die Stadtgrenzen hinaus. Eine Brücke, die in die Region hinein wirkt und die frühere Naturschutzgedanken für die Lösung heutiger Konflkte nutzbar macht", betonte die Erste Bürgermeisterin der Stadt Oldenburg, Rita Schilling, in ihrem Grußwort. 

Am Ende der Tagung rief Prof. Carola Becker, Jade Hochschule, zur Bildung eines Arbeitskreises auf. Seitdem widmet sich dieser Kreis der weiteren Erforschung der Oldenburgischen Naturschutzgeschichte, und hat sich zu einem breiten Netzwerk entwickelt. 

Die Vorträge wurden in einer Broschüre veröffentlicht.