Naturschutzgeschichte Schleswig-Holstein

"Die Zeit ist reif!" - mit diesen Worten resümierte Wolfgang Vogel den eintägigen Workshop zur Naturschutzgeschichte Schleswig-Holstein, der am 30. Oktober 2012 in Kiel-Flintbek stattfand. Vogel leitet das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume (LLUR). Er hat die Initiative ergriffen, dem Naturschutz in Schleswig-Holstein ein Gedächtnis zu geben. Die ehemalige Akademie für Natur und Umwelt hatte bereits vor vielen Jahren mehrere Veranstaltungen zur Naturschutzgeschichte durchgeführt; nach Auflösung dieser Institution waren die Aktivitäten nicht weiterverfolgt worden.

Der Workshop fand in Kooperation mit der Stiftung Naturschutzgeschichte statt, deren Tätigkeiten Albert Schmidt (Vorstands-Vorsitzender) erläuterte. Die Stiftung führt auf der Drachenburg in Königswinter ein bundesweites Archiv und bietet eine Dauerausstellung zur Naturschutzgeschichte. Sie unterstützt u.a. regionale Initiativen.

Carola Becker (Jade Hochschule, Oldenburg) stellte in ihrem Vortrag die Aktivitäten des Netzwerkes Naturschutzgeschichte Oldenburger Land vor und erinnerte an Verbindungen zwischen den beiden Regionen: "Eine verborgene Wurzel des Naturschutzes liegt in der sog. Landesverschönerung, einem Aktionsfeld der Landesfürsten. Sie schufen seit dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts nicht nur die großen Landschaftsgärten, sondern auch viele Anpflanzungen in der Landschaft und ließen wilde Waldpartien enstehen. Was oft nicht bekannt ist: die heute für den Naturschutz so wichtigen Streuobstwiesen sind den Initiativen dieser Landesherren zu verdanken. Eine wegweisende Theorie zur Entwicklung der Landschaft schuf Christian C.L. Hirschfeld aus Kiel. Er beeinflußte auch Herzog Peter Friedrich Ludwig, der sich wie seine Nachfolger in besonderem Maße der Landesverschönerung widmete; ein Ergebnis ist z.B. der "Urwald" Hasbruch. In ihrem Stammsitz in Eutin lassen sich ebensolche Spuren finden - eine von vielen Grundlagen für eine überregionale Zusammenarbeit."

Einige Projekte beleuchten bereits Facetten des gesellschaftlichen Umgangs mit der Natur im nördlichsten Bundesland. Hans-Peter Ziemek (Uni Gießen, Institut für Biologiedidaktik) stellte seine Arbeitsergebnisse zur 50-jährigen Geschichte der Schutzstation Wattenmeer vor. Hier lag die Keimzelle des heutigen Nationalparkes. Ekkehard Schmidt (Schutzgemeinschaft Uthörn) hat eine umfangreiche Informationssammlung aufgebaut. Sie bildete die Grundlage für die Schrift: 30 Jahre LNV - 150 Jahre Naturschutz in Schleswig-Holstein, die im Jahr 2005 vom Landesnaturschutzverband Schleswig-Holstein veröffentlicht wurde. Schmidt sieht die Urzelle des Naturschutzes von Schleswig-Holstein im "Verein nördlich der Elbe zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Erkenntisse", der im Jahr 1855 gegründet wurde. Holger Gerth (Landesbeauftragter für Naturschutz) und Dagmar Rösner (Schleswig-Holsteinischer Heimatbund) präsentierten ein Projekt mit dem Titel: 40 Jahre Naturschutz in Schleswig-Holstein aus Sicht der Landesnaturschutzbeauftragten. Die Ergebnisse sollen in einem Film verarbeitet werden.

Die Teilnehmer des Workshops konzipierten die Grundzüge des weiteren Vorgehens. Zwei Leitziele wurden formuliert: Traditionsbildung für den Naturschutz und historiographische Reflexion. Uwe Danker (Uni Flensburg, Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte) hob am Beispiel der Neulandhalle im Dieksanderkoog hervor, daß Naturschutz in den Kontext der Demokratiegeschichte zu stellen ist. Praktisch steht die Sammlung von Vor- und Nachlässen, in Verbindung mit Zeitzeugen-Interviews an erster Stelle: Bewahrung - Erschließung - Erforschung sind die Leitlinien. Erworbenes Material wird im LLUR gesammelt. Zunächst soll eine Konzentration auf die Zeit nach 1945 erfolgen.

Wie geht es weiter? "Wir planen für den Herbst 2013 eine erste öffentliche Veranstaltung, die sich an alle Akteure im Naturschutz - Praktiker und Wissenschaftler - richten soll," bekräftigte Wolfgang Vogel seine feste Absicht, die Naturschutzgeschichte als eine wichtige kulturrelle Dimension des Naturschutzes zu etablieren. Mit dem Schleswig-Holsteinischen Heimatbund soll eine enge Zusammenarbeit erfolgen. Auch der Kontakt nach Oldenburg wird weiter gepflegt.