Projekte im Studienangebot für Frauen Wirtschaftsingenieurwesen

Begleitforschung

Seit den 90er Jahren gibt es an den Hochschulen vielfältige Bemühungen, um den Frauenanteil in den natur- und ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen zu erhöhen, z.B. Mädchen-Technik-Tage, Probestudium für Schülerinnen, Modellversuche oder spezifische Werbemaßnahmen. Damit einher gingen sozialwissenschaftliche Forschungen über das geschlechtsspezifische Wahlverhalten, die Motivation und die spezielle Situation von Studentinnen in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen. Die damalige „Fachhochschule Wilhelmshaven“ beteiligte sich u.a. durch das, zunächst auf drei Jahre angelegte, Modellprojekt „Frauenstudium Wirtschaftsingenieurwesen“. Das Projekt wurde durch eine sozialwissenschaftliche Forschung begleitet, die an der Universität Hannover angesiedelt war. Im Mittelpunkt der Begleitforschung stand die Frage nach Motiven, Erwartungen, Erfahrungen und Einschätzungen der Studentinnen des Studienangebots für Frauen. Außerdem wurden die Reaktionen des Umfelds auf dieses Studienangebot untersucht. Die Ergebnisse sind in Buchform erschienen (Knapp/Gransee, 2003). Der deutlichste Erfolg des Frauenstudiums liegt darin, dass seit seiner Einführung der Frauenanteil im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen von 5% im Wintersemester 1995 auf etwa 30% gesteigert werden konnte. Nach Ende des Modellversuchs hat der Fachbereich das Angebot weitergeführt und sich mit neuen Projekten, mit Erfahrungsberichten und einer Zusammenarbeit mit anderen Frauenstudiengängen an der Geschlechterforschung beteiligt. Als Beispiele seien genannt: Das Projekt „Gender Mainstreaming in der Lehre“ 2005-2006, die Beteiligung am „Kooperationsnetzwerk Geschlechterforschung in der Nord-West-Region“ 2004-2008, zahlreiche Veröffentlichungen und Vorträge. 


 

Literatur:

Teubner, U. (1998): Geschlechtertrennung als Frauenförderung. Chancen von monoedukativen Ansätzen im Hochschulsystem der Bundesrepublik Deutschland. In: Regenhard, U. (Hrsg.): Die männliche Wirtschaft. Geschlechtertrennung und Konzepte zur Frauenintegration, edition sigma, 235-250.

Siegle, M. G. (2000): Ansätze zur Reform der Wirtschaftsingenieurausbildung in Wilhelmshaven – Frauenförderung an der FH Wilhelmshaven. In: Metz-Göckel, S., Schmalzhaf-Larsen, C., Belinszki, E. (Hrsg.): Hochschulreform und Geschlecht. Neue Bündnisse und Dialoge. Leske + Budrich, 32-41.

Teubner, U. (2000): Ein Frauenfachbereich Informatik – Perspektiven im Verhältnis von Geschlechtertrennung und Geschlechtergerechtigkeit. In: Metz-Göckel, S., Schmalzhaf-Larsen, C., Belinszki, E. (Hrsg.): Hochschulreform und Geschlecht. Neue Bündnisse und Dialoge. Leske + Budrich, 42-55.

Knapp, G.-A.; Gransee, C. (2003): Experiment bei Gegenwind. Der erste Frauenstudiengang in einer Männerdomäne. Ein Forschungsbericht. Leske + Budrich.

Gransee, C. (Hrsg.) (2003): Der Frauenstudiengang in Wilhelmshaven. Facetten und Kontexte einer „paradoxen Intervention“. Leske + Budrich.

Schleier, U. (2006): Der Frauenstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen in Wilhelmshaven. Eine Zwischenbilanz nach sieben Jahren. In: Gransee, Carmen (Hrsg.): Hochschulinnovation: Gender-Initiativen in der Technik. LIT, 27-36.

Flaake, K., Schleier, U. (2006): Die Angst der Männer vor den Frauen – noch immer ein aktuelles Thema? Eine Analyse der Reaktionen von Männern auf den Frauenstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen an der Fachhochschule in Wilhelmshaven. In: Gransee, Carmen (Hrsg.): Hochschulinnovation: Gender-Initiativen in der Technik. LIT, 77-86.

Curdes, B., Marx, S., Schleier, U., Wiesner, H. (Hrsg.) (2007): Gender lehren - Gender lernen in der Hochschule: Konzepte und Praxisberichte. BIS-Verlag.

Schleier, U. (2009): Frauenstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen – Das erste monoedukative Bildungsangebot an einer deutschen Hochschule. In: Thaler, A., Wächter, C. (Hrsg.): Geschlechtergerechtigkeit in Technischen Hochschulen - Theoretische Implikationen und Erfahrungen aus Deutschland, Österreich und Schweiz. Profilverlag, 65-74.