• Die Jade Hochschule setzt auf Fairtrade

    Die Jade Hochschule trägt seit 2026 den Titel Fairtrade University. Mit dieser Auszeichnung werden Hochschulen anerkannt, die fairen Handel und globale Verantwortung dauerhaft in Studium, Lehre und Campusleben verankern. Vergeben wird der Titel von Fairtrade Deutschland an Hochschulen, die festgelegte Kriterien erfüllen und ihr Engagement langfristig nachweisen.

    Dazu gehören unter anderem:

    • eine hochschulweite Steuerungsgruppe,
    • ein offizieller Beschluss der Hochschule,
    • Fairtrade-Produkte bei Veranstaltungen und auf dem Campus,
    • regelmäßige Aktionen und Bildungsangebote zum fairen Handel.

    An den Studienorten Wilhelmshaven, Oldenburg und Elsfleth setzt die Jade Hochschule diese Ziele bereits mit verschiedenen Maßnahmen um. Dazu zählen beispielsweise:

    • Fairtrade-Kaffee und -Tee bei offiziellen Sitzungen,
    • Fairtrade-Produkte in der Campusgastronomie und im Fairomaten,
    • Informations- und Mitmachaktionen zum fairen Handel,
    • die Ausleihe fair produzierter Sportmaterialien über den AStA.

    Die Auszeichnung unterstreicht das Engagement der Jade Hochschule für nachhaltige Entwicklung, faire Handelsbedingungen und die Achtung von Menschenrechten entlang globaler Lieferketten. Gleichzeitig ist sie Ansporn, den fairen Handel dauerhaft im Hochschulalltag zu verankern und das Netzwerk engagierter Studierender und Beschäftigter weiter auszubauen.

    Übergabe der Urkunde durch Fairtrade Deutschland

    (v. li.) Christian Vinz (Mensaleitung Studierendenwerk), Sören Castens (Küchenleitung Mensa Wilhelmshaven), Sarah Neidhardt (Botanischer Garten Wilhelmshaven), Gerd Pöppelmeier (Fairtrade Friesland), Sigrid Heider (Botanischer Garten Wilhelmshaven), Isabel Schröder (Fairtrade Deutschland e.v.), Berit Müller (Nachhaltigkeitskoordinatorin Jade Hochschule), Jörg Meier (Oldenburg handelt fair), Astrid Zaage (Bürgermeisterin Wilhelmshaven), Sara Broda (Oldenburg handelt fair), Holger Saß (Vizepräsident Forschung, Third Mission, Gleichstellung), Barbara Groneick (Wilhelmshaven Touristik & Freizeit GmbH), Anke Müller (Fairtrade Friesland), Bert Albers (Vizepräsident Personal, Finanzen und Liegenschaften) (Foto: Jade HS/Mara Ackermann)
    (v. li.) Brit Müller, Isabel Schröder und Holger Saß (Foto: Jade HS/Mara Ackermann)
    Urkunde zur Fairtrade University (Foto: Jade HS/Mara Ackermann)
    Wir freuen uns über den Titel Fairtrade University (Foto: Jade HS/Mara Ackermann)

    Stimmen aus der Hochschule

    Der Kern von Fairtrade ist es Bewusstsein zu schaffen und Handlungsoptionen zu bieten. Fairtrade ist mehr als ein Titel. Es ist ein Netzwerk aus engagierten Menschen.

    Berit Müller, Leitung Green Office

    Die Aufnahme als Fairtrade University ist nur ein erster Schritt für die Jade Hochschule in Richtung Fairtrade.

    Prof. Dr. Holger Saß, Vizepräsident für Forschung, Third Mission und Gleichstellung

    Kriterien zur Zertifizierung als Fairtrade-University

    • Die Grundlage für die Zertifizierung bildet ein gemeinsamer Beschluss der zentralen Hochschulgremien. Dazu zählen in der Regel das Rektorat beziehungsweise Präsidium, der Senat sowie die Studierendenvertretung. Mit diesem Beschluss bekunden alle relevanten Entscheidungsträger ihre Bereitschaft, sich aktiv für die Förderung des fairen Handels einzusetzen und die Auszeichnung als Fairtrade-University anzustreben. Gleichzeitig signalisiert der Beschluss, dass die Umsetzung der Fairtrade-Ziele als gemeinsame Aufgabe der gesamten Hochschule verstanden wird. Die institutionelle Verankerung stellt sicher, dass das Engagement nicht ausschließlich von einzelnen Personen oder Initiativen abhängt, sondern dauerhaft in den strategischen Zielen der Hochschule berücksichtigt wird.

    • Nach dem offiziellen Beschluss wird eine hochschulinterne Steuerungsgruppe eingerichtet, welche die Umsetzung und Weiterentwicklung der Fairtrade-Aktivitäten koordiniert. Diese Gruppe besteht aus mindestens drei Mitgliedern und setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Hochschulbereiche zusammen. Dazu gehören die Studierendenschaft, die Hochschulverwaltung sowie gastronomische Einrichtungen oder Geschäfte auf dem Campus.

      Die interdisziplinäre Zusammensetzung ermöglicht es, unterschiedliche Perspektiven und Interessen einzubeziehen sowie Maßnahmen gemeinsam zu planen und umzusetzen. Zu den Aufgaben der Steuerungsgruppe zählen unter anderem die Organisation von Veranstaltungen, die Vernetzung verschiedener Hochschulakteure, die Überprüfung der Einhaltung der Zertifizierungskriterien sowie die Vorbereitung der regelmäßigen Rezertifizierung. Damit übernimmt sie eine zentrale Funktion bei der langfristigen Umsetzung des Fairtrade-Konzepts an der Hochschule.

    • Ein weiteres Kriterium betrifft die Verpflegung bei offiziellen Hochschulveranstaltungen. Bei Veranstaltungen der Hochschule sowie bei Sitzungen zentraler Gremien der Hochschulverwaltung und der Studierendenvertretung müssen mindestens zwei Produkte aus fairem Handel angeboten werden. Hierzu zählen beispielsweise Kaffee, Tee, Zucker, Kakao oder Gebäck mit Fairtrade-zertifizierten Zutaten.

      Dieses Kriterium verfolgt das Ziel, fair gehandelte Produkte im Hochschulalltag sichtbar und selbstverständlich zu machen. Gleichzeitig erhalten Studierende, Beschäftigte sowie externe Gäste die Möglichkeit, fair gehandelte Produkte kennenzulernen und durch ihre Konsumentscheidungen nachhaltigere Handelsstrukturen zu unterstützen. Die Einbindung fair gehandelter Produkte in offizielle Veranstaltungen besitzt darüber hinaus eine wichtige Symbolwirkung, da sie das Engagement der Hochschule nach außen sichtbar macht.

    • Neben einzelnen Veranstaltungen muss der faire Handel auch im alltäglichen Hochschulbetrieb präsent sein. Deshalb müssen Fairtrade-Produkte dauerhaft in den Geschäften, Cafeterien, Mensen sowie weiteren gastronomischen Einrichtungen auf dem Campus erhältlich sein. Die konkreten Anforderungen orientieren sich an der Größe der Hochschule. An Hochschulen mit bis zu 20.000 Studierenden müssen mindestens zehn Verkaufsstellen beteiligt sein. Dazu gehört jeweils mindestens ein Geschäft, ein Gastronomiebetrieb sowie ein Kiosk oder Verkaufsautomat. Jede dieser Verkaufsstellen bietet mindestens zwei Produkte aus fairem Handel an.

      Durch diese Vorgabe soll gewährleistet werden, dass Studierende und Beschäftigte regelmäßig Zugang zu fair gehandelten Produkten haben und nachhaltiger Konsum ohne zusätzlichen Aufwand möglich ist. Gleichzeitig fördert die kontinuierliche Nachfrage nach Fairtrade-Produkten die wirtschaftliche Stabilität der beteiligten Produzentenorganisationen und stärkt deren Position auf dem internationalen Markt.

    • Ein wesentlicher Bestandteil der Zertifizierung ist die kontinuierliche Sensibilisierung der Hochschulöffentlichkeit für die Themen Fairer Handel und nachhaltiger Konsum. Daher müssen auf dem Campus mindestens zweimal pro Semester Veranstaltungen oder Aktionen zum fairen Handel durchgeführt werden. Dazu zählen beispielsweise Informationsstände, Vorträge, Workshops, Filmvorführungen, Ausstellungen oder Aktionen während der Fairen Woche. Die Veranstaltungen sollen über das gesamte Jahr verteilt stattfinden und durch eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit begleitet werden.

      Die Hochschule berichtet regelmäßig über ihre Aktivitäten, beispielsweise auf ihrer Website, über Social-Media-Kanäle, in Hochschulmagazinen oder Pressemitteilungen. Ziel dieser Maßnahmen ist es, das Bewusstsein für globale Lieferketten, soziale Gerechtigkeit und nachhaltigen Konsum dauerhaft zu stärken sowie möglichst viele Hochschulangehörige aktiv in die Fairtrade-Initiative einzubeziehen. Die Öffentlichkeitsarbeit trägt somit wesentlich dazu bei, Fairtrade als festen Bestandteil der Hochschulkultur zu etablieren und das gesellschaftliche Engagement der Hochschule sichtbar zu machen.

      In ihrer Gesamtheit stellen die fünf Kriterien sicher, dass Fairtrade nicht ausschließlich durch den Verkauf einzelner Produkte umgesetzt wird. Vielmehr fördern sie eine ganzheitliche Integration der Prinzipien des fairen Handels in die Organisationsstruktur, den Hochschulalltag sowie die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Dadurch übernehmen Fairtrade-Universities eine Vorbildfunktion bei der Förderung nachhaltiger Entwicklung und globaler Verantwortung im Hochschulbereich.

    Die Entstehung und Entwicklung von Fairtrade

    • Die Fairtrade-Bewegung entstand in den 1950er Jahren als Reaktion auf die ungleichen Handelsstrukturen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Insbesondere Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie landwirtschaftliche Arbeitskräfte in Ländern des Globalen Südens waren häufig von niedrigen Weltmarktpreisen, unsicheren Absatzmöglichkeiten und fehlendem Marktzugang betroffen. Vor diesem Hintergrund entwickelten Nichtregierungsorganisationen (NGOs), kirchliche Initiativen und gemeinnützige Importeure alternative Handelsmodelle, die Produzentinnen und Produzenten durch gerechtere Handelsbeziehungen wirtschaftlich stärken sollten. Im Mittelpunkt stand dabei das Prinzip „Trade, not Aid“ („Handel statt Hilfe“), das langfristige wirtschaftliche Entwicklung durch faire Handelsbedingungen anstelle kurzfristiger Hilfsmaßnahmen fördern sollte.

      In den Anfangsjahren wurden fair gehandelte Produkte überwiegend über Weltläden und spezialisierte Fairhandelsorganisationen vertrieben. Da diese Vertriebswege jedoch nur einen begrenzten Markt erreichten, entstand Ende der 1980er Jahre die Idee, faire Produkte auch im konventionellen Einzelhandel anzubieten. Einen entscheidenden Meilenstein stellte die Einführung des ersten Fairtrade-Siegels im Jahr 1988 durch die niederländische Entwicklungsorganisation Solidaridad dar. Das unter dem Namen „Max Havelaar“ eingeführte Kaffeesiegel garantierte, dass der Kaffee von demokratisch organisierten Kleinbauernkooperativen stammte und zu einem Mindestpreis gehandelt wurde, der die Produktionskosten deckte und die Produzenten vor starken Schwankungen des Weltmarktpreises schützte. Der Name des Siegels geht auf die Hauptfigur des Romans Max Havelaar des niederländischen Schriftstellers Eduard Douwes Dekker zurück, der bereits im 19. Jahrhundert die koloniale Ausbeutung in den damaligen niederländischen Kolonien kritisierte.

      Das erfolgreiche Konzept verbreitete sich in den folgenden Jahren rasch über Europa und Nordamerika. In zahlreichen Ländern wurden nationale Fairtrade-Organisationen gegründet, darunter Fairtrade Deutschland (ehemals TransFair e. V.), die Fairtrade Foundation im Vereinigten Königreich sowie weitere Zertifizierungsorganisationen. Obwohl diese zunächst eigene Siegel und nationale Standards entwickelten, verfolgten sie ein gemeinsames Ziel: die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen benachteiligter Produzentinnen und Produzenten durch transparente und gerechtere Handelsbeziehungen.

      Um eine internationale Harmonisierung der Standards und eine einheitliche Außendarstellung zu gewährleisten, wurde 1997 Fairtrade International (damals Fairtrade Labelling Organizations International, FLO) gegründet. Die Organisation entwickelt weltweit gültige Fairtrade-Standards, koordiniert deren Umsetzung und überwacht deren Einhaltung durch unabhängige Zertifizierungsverfahren. Darüber hinaus vertritt sie die Interessen der Produzentenorganisationen und entwickelt die strategische Ausrichtung des Fairtrade-Systems kontinuierlich weiter.

      Mit der Einführung eines weltweit einheitlichen Fairtrade-Siegels im Jahr 2002 wurde die Wiedererkennbarkeit für Verbraucherinnen und Verbraucher deutlich verbessert. Heute kennzeichnet das Siegel eine Vielzahl unterschiedlicher Produkte, darunter Kaffee, Kakao, Tee, Bananen, Zucker, Reis, Honig, Wein, Blumen, Baumwolle sowie Gold. Voraussetzung für die Zertifizierung ist die Einhaltung festgelegter ökologischer, sozialer und ökonomischer Standards. Dazu gehören unter anderem die Zahlung eines garantierten Mindestpreises, die Auszahlung einer Fairtrade-Prämie für Gemeinschaftsprojekte, die Einhaltung von Arbeitsrechten sowie Anforderungen an nachhaltige Produktionsmethoden.

      Heute besteht Fairtrade International aus 25 nationalen Fairtrade-Organisationen, drei Produzentennetzwerken und sieben Marketingorganisationen. Ein wesentliches Merkmal der Organisationsstruktur ist die gleichberechtigte Mitbestimmung von Produzenten und nationalen Fairtrade-Organisationen. Beide Gruppen verfügen über identische Stimmrechte in der Generalversammlung sowie im Vorstand, wodurch die Interessen der Produzentinnen und Produzenten unmittelbar in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden.