Die Fairtrade-Bewegung entstand in den 1950er Jahren als Reaktion auf die ungleichen Handelsstrukturen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Insbesondere Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie landwirtschaftliche Arbeitskräfte in Ländern des Globalen Südens waren häufig von niedrigen Weltmarktpreisen, unsicheren Absatzmöglichkeiten und fehlendem Marktzugang betroffen. Vor diesem Hintergrund entwickelten Nichtregierungsorganisationen (NGOs), kirchliche Initiativen und gemeinnützige Importeure alternative Handelsmodelle, die Produzentinnen und Produzenten durch gerechtere Handelsbeziehungen wirtschaftlich stärken sollten. Im Mittelpunkt stand dabei das Prinzip „Trade, not Aid“ („Handel statt Hilfe“), das langfristige wirtschaftliche Entwicklung durch faire Handelsbedingungen anstelle kurzfristiger Hilfsmaßnahmen fördern sollte.
In den Anfangsjahren wurden fair gehandelte Produkte überwiegend über Weltläden und spezialisierte Fairhandelsorganisationen vertrieben. Da diese Vertriebswege jedoch nur einen begrenzten Markt erreichten, entstand Ende der 1980er Jahre die Idee, faire Produkte auch im konventionellen Einzelhandel anzubieten. Einen entscheidenden Meilenstein stellte die Einführung des ersten Fairtrade-Siegels im Jahr 1988 durch die niederländische Entwicklungsorganisation Solidaridad dar. Das unter dem Namen „Max Havelaar“ eingeführte Kaffeesiegel garantierte, dass der Kaffee von demokratisch organisierten Kleinbauernkooperativen stammte und zu einem Mindestpreis gehandelt wurde, der die Produktionskosten deckte und die Produzenten vor starken Schwankungen des Weltmarktpreises schützte. Der Name des Siegels geht auf die Hauptfigur des Romans Max Havelaar des niederländischen Schriftstellers Eduard Douwes Dekker zurück, der bereits im 19. Jahrhundert die koloniale Ausbeutung in den damaligen niederländischen Kolonien kritisierte.
Das erfolgreiche Konzept verbreitete sich in den folgenden Jahren rasch über Europa und Nordamerika. In zahlreichen Ländern wurden nationale Fairtrade-Organisationen gegründet, darunter Fairtrade Deutschland (ehemals TransFair e. V.), die Fairtrade Foundation im Vereinigten Königreich sowie weitere Zertifizierungsorganisationen. Obwohl diese zunächst eigene Siegel und nationale Standards entwickelten, verfolgten sie ein gemeinsames Ziel: die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen benachteiligter Produzentinnen und Produzenten durch transparente und gerechtere Handelsbeziehungen.
Um eine internationale Harmonisierung der Standards und eine einheitliche Außendarstellung zu gewährleisten, wurde 1997 Fairtrade International (damals Fairtrade Labelling Organizations International, FLO) gegründet. Die Organisation entwickelt weltweit gültige Fairtrade-Standards, koordiniert deren Umsetzung und überwacht deren Einhaltung durch unabhängige Zertifizierungsverfahren. Darüber hinaus vertritt sie die Interessen der Produzentenorganisationen und entwickelt die strategische Ausrichtung des Fairtrade-Systems kontinuierlich weiter.
Mit der Einführung eines weltweit einheitlichen Fairtrade-Siegels im Jahr 2002 wurde die Wiedererkennbarkeit für Verbraucherinnen und Verbraucher deutlich verbessert. Heute kennzeichnet das Siegel eine Vielzahl unterschiedlicher Produkte, darunter Kaffee, Kakao, Tee, Bananen, Zucker, Reis, Honig, Wein, Blumen, Baumwolle sowie Gold. Voraussetzung für die Zertifizierung ist die Einhaltung festgelegter ökologischer, sozialer und ökonomischer Standards. Dazu gehören unter anderem die Zahlung eines garantierten Mindestpreises, die Auszahlung einer Fairtrade-Prämie für Gemeinschaftsprojekte, die Einhaltung von Arbeitsrechten sowie Anforderungen an nachhaltige Produktionsmethoden.
Heute besteht Fairtrade International aus 25 nationalen Fairtrade-Organisationen, drei Produzentennetzwerken und sieben Marketingorganisationen. Ein wesentliches Merkmal der Organisationsstruktur ist die gleichberechtigte Mitbestimmung von Produzenten und nationalen Fairtrade-Organisationen. Beide Gruppen verfügen über identische Stimmrechte in der Generalversammlung sowie im Vorstand, wodurch die Interessen der Produzentinnen und Produzenten unmittelbar in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden.