„Ist Bier gesünder als eine Tomate?“, startete Prof. Dr. Stefan Dietsche aus der Abteilung Technik und Gesundheit für Menschen der Jade Hochschule seine Session im Marvins. „Das hängt dann wohl davon ab…“, würden Wissenschaftler_innen sagen. Für den Körper wahrscheinlich die Tomate, für die soziale und psychische Gesundheit vielleicht das Getränk – zum Beispiel gemütlich wie heute beisammen in der Kneipe. Oder hätte sich jemand schonmal auf eine Tomatenprobe mit Freunden gefreut? Was genau „gesund“ sei, sei demnach in vieler Hinsicht nicht klar. Ist gesund gleichbedeutend mit „nicht krank“ oder mit „Wohlbefinden“? Da Gesundheit gleichermaßen unbekannt und dennoch für alle wichtig sei, werde sie zur Projektionsfläche für alle, die Produkte, Dienstleistungen und Ideen verkaufen möchten – sei es beispielsweise der Staat, die Pharmaindustrie oder die Esoterik-Branche. So würden im Jahr mehrere Milliarden Euro allein für Nahrungsergänzungsmittel ausgegeben, die fast alle überflüssig seien. Absurde Beispiele aus der Werbung (Was ist eine gesunde Rührschüssel?) gäbe es viele. Einzige Chance damit umzugehen: Mündige Menschen, die sich die Definitionsmacht zurückholen und Annahmen und Versprechen kritisch hinterfragen. Zum Beispiel: Reichen vielleicht 80 Prozent Gesundheit aus? Oder, gefragt nach konkreten Gesundheitstipps: Reicht es nicht vielleicht schon aus, sich ein bisschen mehr zu bewegen und sich ein bisschen gesünder zu ernähren?