Wer Spiekeroog schonmal besucht hat, kennt eine kleine autofreie Insel mit einem hübschen Ort, schönen Dünenlandschaften, Naturschutzgebieten und Stränden. Auf 18 Quadratkilometern leben hier 800 Einwohner_innen. Belebter wird Spiekeroog in den Sommermonaten durch die Urlaubsgäste, die in Ferienwohnungen und auf dem Campingplatz wohnen. Obwohl die Insel keine weitere Kindertagesstätte braucht, ist die Entwicklung einer Kita umgeben von Dünen ein wunderbares Projekt. Wie könnte die Kita aussehen? Was ist zu beachten, wenn man ein Gebäude auf einer Insel entwickelt, das Kindern Wohlfühlen und Entfaltung ermöglichen soll? Studierende der Jade Hochschule und der Hochschule Emden-Leer haben sich diesen Fragen gewidmet und in einem Lehrprojekt die fiktive Kindertagesstätte „Lüttje Loog“ entworfen. Wie ist das Konzept entstanden? Ein (virtuell geführtes) Gespräch.
ForschungsNotizen: Ihr seid sechs Studierende und habt einen Entwurf für eine Kita auf Spiekeroog erarbeitet. Wie kam es dazu?
Kathrin Willeke (KW): Die Aufgabe bestand darin, eine fiktive Kindertagessstätte für Spiekeroog zu entwickeln. Das Projekt war interdisziplinär organisiert. Ziel war, ein pädagogisches Konzept zu erarbeiten und am Ende einen Lageplan, architektonische Zeichnungen und detaillierte Baupläne für die Kita abzuliefern. In jedem Team waren vier Fachbereiche vertreten: Kindheitspädagogik, Geoinformation, Architektur und Bauingenieurwesen.
Charline Kohl (CK): Eigentlich hätten wir eine Exkursion gemacht und wären gemeinsam auf die Insel Spiekeroog gefahren. Dort hätten wir uns vermutlich anders kennengelernt und vor Ort in Gruppen zusammengearbeitet. Dann kam Corona. Unsere Gruppe hat sich noch nie persönlich getroffen, sondern alles virtuell besprochen. Dafür ist alles ganz schön gut gelaufen. Unser erstes echtes Treffen werden wir heute nach diesem Gespräch nachholen.
FN: Wie habt ihr als Team euer Konzept entwickelt?
KW: Inhaltlich sind wir von zwei Fragen ausgegangen: Welchen Standort wollen wir für unsere Kita, und wie soll das pädagogische Konzept aussehen? Aus unseren Überlegungen sind dann der Grundriss und der architektonische Entwurf entstanden. Für die Planung der Bauphase kam zum Schluss das BIM-Modell in 3D, das alle Gebäudedetails enthält.
Jana Ullrich (JU): Wir haben uns von Anfang an gut verstanden, haben inhaltlich und argumentativ diskutiert. Wir haben im Team alle Fragen fachbereichsübergreifend besprochen und Entscheidungen gemeinsam getroffen. Gleichzeitig brachte jede Disziplin von Anfang an ihr Fachwissen ein. Die Experten können sagen, was möglich oder nicht machbar ist, welche Vor- und Nachteile bestimmte Ideen haben. Anschließend hat jeder Fachbereich sein Konzept im Detail ausgearbeitet. Zwischen den virtuellen Treffen haben wir per WhatsApp kommuniziert und Fragen geklärt.
FN: Für welchen Standort habt Ihr euch entschieden und wie seid ihr dahin gekommen?
Christopher Michels (CM): Unsere Kita liegt zentral in einer Straße im Norden des Dorfs, parallel zur Hauptstraße von Spiekeroog. Wir haben ein Randgrundstück ausgesucht, das einen sehr guten Grundriss hat. Es ist von überall im Ort gut erreichbar und sehr naturnah. Das fanden wir für Kinder ideal.
KW: Um den geeigneten Ort für unsere Kita zu finden, haben wir mit einem Geoinformationssystem, kurz GIS, einen Standortplan erstellt. Der Plan zeigt Einrichtungen wie Supermärkte, Apotheken oder Ärzte und weitere Punkte, die für unsere Standortwahl eine Rolle spielen. Für mich war auch schön zeigen zu können, was wir in der Geoinformation eigentlich machen. Unser Studiengang ist einzigartig in Deutschland – es wissen aber nur die wenigsten, wie wir eigentlich arbeiten…
CM: … Im Grunde erfassen wir Daten, verarbeiten und analysieren sie. Das Ergebnis ist die fertige Karte mit allen relevanten Informationen, von der Kathrin sprach. Sie ist sozusagen die Präsenz des Bauvorhabens im vorhandenen Raum.

yukie.yasui@jade-hs.de







