ForschungsNotizen (FN): Herr Hollermann, Sie verantworten den Aufbau des „Digital Engineering Lab“. Was ist das Besondere an diesem Labor?
Professor Dr. Sebastian Hollermann (SH): Als eines der ersten bietet unser Labor eine stereoskopische Mehrbenutzer-Cave, also einen Raum, in dem mehr als zwei Personen gleichzeitig mit einer Projektion interagieren und miteinander kommunizieren können. Solche Caves für mehr als zwei Benutzer bieten in Deutschland nur noch die Universität Weimar und das Fraunhofer Institut in Stuttgart. Auch weltweit ist ein solches Angebot sehr selten.
Dadurch, dass wir in der Cave als Team ein virtuelles Modell bearbeiten können, wird die Entwicklung komplexer Prozesse unter Berücksichtigung verschiedener Rollen und Sichtweisen möglich. Wir können ein Baustellenmodell beliebig verändern, die Veränderungen testen und fachspezifisch beurteilen. Die Modellplanung wird viel schneller und effizienter, da wir Veränderungen ja nicht nur virtuell durchspielen, sondern sehr leicht verwerfen und neu erproben können. Dass dadurch keine großen Kosten entstehen, ist für viele Industrien, auch für das Bauwesen, ein riesiger Schritt.
FN: Welche Technologie wird in der Cave eingesetzt?
SH: Im Kern unseres Labors steht die Mixed Reality, also die derzeit höchste Stufe der Bearbeitung digitaler Modelle. Wir erweitern die reale Umgebung durch digitale Projektionen – das allein wäre Augmented Reality [Englisch für erweiterte Realität, Anm. der Red.] – und schaffen zusätzlich die Möglichkeit, mit der virtuellen Welt und den anderen zugeschalteten Personen zu interagieren. In unserem Fall ist die Mixed Reality anwendbar auf mindestens drei Personen beziehungsweise Rollen gleichzeitig.
Übrigens planen wir mittelfristig, dass sich auch Personen von anderen Orten zuschalten können. Das vereinfacht und beschleunigt die Zusammenarbeit auch über Distanzen hinweg.
FN: Wird das Labor weitere Möglichkeiten bieten?
SH: Neben der Cave stellen wir eine autonome Plattform mit einem Roboterarm zur Verfügung. Damit ermöglichen wir eine Mensch-Maschine-Interaktion in einer virtuellen Umgebung. Der Roboter und die Plattform sind echt, alles andere wird projiziert. Auch hier setzen wir wieder Mixed Reality ein.
Der Roboter hat außerdem ein anderes Alleinstellungsmerkmal: Wir verwenden eine sehr unempfindliche Plattform, die auch auf unebenen Untergründen arbeiten kann. Die meisten autonomen Plattformen sind für 100-prozentig glatte Industrieanlagen gedacht. Unser Roboter wird zwar nicht über Kanthölzer fahren können, ist aber durchaus tauglich für normale Unebenheiten, wie sie zum Beispiel auf Baustellen vorkommen.
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