JW: Es handelt sich um sensible Gesundheitsdaten - welche Rolle spielt der Datenschutz?
Frenken: Eine große! Mithilfe der ersten identifizierten Datensätze werden Methoden der privatheitsbewahrenden Datenanalyse entwickelt und in die Forschungsdatenplattform integriert. Langfristig wird ein umfangreicher und strukturierter Datenschatz für medizinische Auswertungen entstehen.
JW: In dem zweiten Teilprojekt „Sensorik in patientennaher Umgebung“ geht es um digitale Technologien, die im Umfeld von Patient_innen eingesetzt und zur Auswertung medizinischer Daten genutzt werden, wie zum Beispiel EKG-Sensoren in Sesseln zur kontinuierlichen Überwachung der Vitalparameter. Was genau untersuchen Sie und Ihre Kolleg_innen?
Frenken: Wir analysieren, wie Bewegungsmuster von Menschen erkannt und zur medizinischen Auswertung verwendet werden können. Weiterhin wird an multi-sensorischer Sturzerkennung geforscht, wozu auch optische Sensoren (Kameras) eingesetzt werden können. Diese liefern jedoch kein Bild, sondern Personen werden noch in der Kamera aus den einzelnen Frames extrahiert und zu "Strichmännchen" abstrahiert, die in Form von Koordinatenlisten vom Sensor bereitgestellt werden. Verschiedene Farben kodieren verschiedene Personen im Raum. So bleibt die Privatsphäre erhalten. Dies personenspezifische Auswertung vieler Sensordaten liefert dann Hinweise auf ungewöhnliche Situationen sowie spezielle Events, wie zum Beispiel einen Sturz. Neben der Bewegungsanalyse werten wir Messwerte von gesundheitsrelevanten Umgebungsfaktoren aus, wie z.B. die Raumtemperatur und der Anteil von CO2, Feinstaubpartikeln und anderen Gasen in der häuslichen Umgebung der Personen. In Verbindung mit den medizinischen Daten der Personen werden individuelle gesundheitliche Risiken ausgehend von den Umgebungsfaktoren im häuslichen Umfeld geschätzt. Die Darstellung der Ergebnisse in intuitiv verständlicher Form beabsichtigt eine Verhaltensänderung der Personen und folglich eine Verbesserung des Raumklimas, beispielsweise durch häufigeres Lüften.
JW: Was passiert, wenn die Sensoren im Notfall einmal ausfallen?
Frenken: Die IT-Infrastruktur für die Sensorik in patientennaher Umgebung ist die Grundlage für zukünftige patientendienliche „Smart-Home“-Systeme. Diese Infrastruktur soll auf dem BASIS System basieren, das an der TU Braunschweig bereits entwickelt wurde. Medizinische Sensoren werden hierin mittels Mini-Computer integriert. Alle in der Wohnung aufgenommenen Daten verbleiben hier. Ein Rechner im Sicherungskasten übernimmt die Speicherung und Auswertung, und generiert im Notfall einen Alarm.
JW: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg für das Projekt.