Welche Erfolge konnte das Projektes FRAMES in der Wesermarsch erzielen?
# Hochwasserschutztag am 4. Mai 2019
„Als einen der Erfolge des Projektes sehe ich den Hochwasserschutztag am 4. Mai 2019“, sagt Bormann. „Gemeinsam mit allen Projektpartnern haben wir die Bevölkerung des Landkreises Wesermarsch in die Küstenschutzhalle im Augustgroden eingeladen. Über 500 Menschen sind gekommen und haben sich rund um die Themen Küstenschutz und Hochwasserrisikomanagement informiert. Es gab Vorträge über Klimawandel und eine Podiumsdiskussion mit allen Akteuren des Küstenschutzes. Außerdem informierten die am Katastrophenschutz beteiligten Organisationen über Schutzmaßnahmen, die jedem Einzelnen im Katastrophenfall helfen, sich und die Familie zu schützen. Dazu zählen das Anlegen eines Notfallvorrates, Erst-Hilfe-Maßnahmen oder das Identifizieren der sinnvollsten Rettungswege. Nach der Veranstaltung kam von allen Seiten viel positive Resonanz.“
# Neue Akteure ermöglichen neue Lösungen
„Die Akteure in der Wesermarsch waren bereits sehr gut vernetzt. Bei einer zweitägigen Übung, die wir mit dem Katastrophenstab durchgeführt haben, klappte die Zusammenarbeit reibungslos“, erinnert sich Kebschull. „Mit unserem Projekt haben wir noch weitere Ansprechpartner an den Tisch geholt. Sie kamen vom Kreislandvolk als Vertreter der Landwirte, vom Stromlieferanten EWE und vom OOWV. Aus der Zusammenarbeit mit diesen Akteuren sind neue wichtige Projekte in Bezug auf die Stromversorgung und den Katastrophenschutz entstanden.“
# Notfallmanagement für das Risiko eines „Blackouts“
Im Rahmen des Projekts wurde das Risiko eines langanhaltenden Stromausfalls (Blackout) identifiziert. Hintergrund: Die zunehmende Dezentralisierung der Stromversorgung führt zu einer steigenden Zahl an Stromquellen und Stromlieferanten. Dies erschwert das technische Management und erhöht grundsätzlich das Risiko von Stromausfällen. Zusätzlich können die Folgen eines Hochwasserkatastrophenfalls zu Engpässen in der Stromversorgung bis hin zu Blackouts führen.
Im Fall eines Blackouts ließe sich nach heutigem Stand nur eins der Rathäuser der Gemeinden in der Wesermarsch über ein Notstromaggregat versorgen. Alle anderen Bürgermeistereien könnten ihrer Aufgabe, den Notfall zu managen, nicht nachkommen.
Das Krankenhaus der Region erfüllt die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanforderungen der Notstromversorgung. Trotzdem wären dessen Kapazitäten schnell ausgeschöpft, wenn während einer Hochwasserkatastrophe zum Beispiel viele Menschen aus der Region in das Krankenhaus eingeliefert würden.
- Heute arbeitet die EWE gemeinsam mit Verantwortlichen aus den Gemeinden und der Gesundheitsversorgung an der Verbesserung der Stromversorgung für den Katastrophenfall.
# Notstromaggregate für die Landwirtschaft
Die Befragung der Landwirte der Wesermarsch zeigte, dass die meisten unter ihnen sich den Folgen von Hochwasser schutzlos ausgeliefert fühlten. Es dominierten Angst und der Eindruck, gegen Hochwasser nicht gewappnet zu sein. Hinzu kam die konkrete Furcht vor dem Verlust von Vieh durch Ertrinken oder durch Versagen der Melkanlagen bei einem lang anhaltenden Stromausfall. Nur wenige Landwirte besitzen Notstromaggregate um ihre Höfe zu versorgen. Aggregate für Melkmaschinen, die die Leistungen normaler Aggregate um ein Vielfaches übersteigen, waren – ebenso wie die notwendigen Schnittstellen dafür – nur in wenigen der Betriebe vorhanden. Im schlimmsten Fall können Tiere bei einem längeren Ausfall der Melkanlagen so stark erkranken, dass sie notgeschlachtet werden müssen. Wegen der hohen Anzahl der Tiere in den Betrieben ist manuelles Melken nicht möglich.
- Die Landwirte der Wesermarsch haben inzwischen beschlossen, Notstromaggregate im Verbund anzuschaffen, sodass Kosten wie Geräte geteilt werden können. Somit ist der landwirtschaftliche Betrieb auch während Blackouts gesichert.
# Verfügbarmachung von Datenmodellen für den Katastrophenschutz
Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) stellt Karten zur Verfügung, die Risikobereiche aufzeigen, welche durch Hochwasser gefährdet sind. Zusätzlich gibt es für die Region Ostfriesland Simulationen, die unterschiedliche Deichbruchszenarien darstellen. Diese Informationen können im Katastrophenfall sehr hilfreich sein. Für den Landkreis Wesermarsch sind solche Simulationen jedoch noch nicht verfügbar.
- Das Projekt FRAMES erstellte anhand eines hochaufgelösten Höhenbildes vom Landkreis Wesermarsch Karten, die für den Katastrophenschutz in der Wesermarsch wertvolle Informationen liefern.
# Vergleich mit anderen Pilotregionen
„Bei den „FRAMES Days“ haben sich die Küstenschutz-Verantwortlichen aus den verschiedenen Pilotregionen unseres Projektes ausgetauscht“, berichtet Bormann. „Die niederländische Region Alblasserwaard ist in ihren Lebensräumen der Region Wesermarsch sehr ähnlich. Die Teilnehmer haben in der jeweils anderen Region die eigenen Fragestellungen wiedererkannt. Dadurch entstand ein Gemeinschaftsgefühl und es wurden viele Ideen für Lösungsansätze ausgetauscht. Bei einigen der Akteure bin ich mir sicher, dass der Austausch weitergeführt wird.“
Was lässt sich im Hochwasserrisikomanagement der Wesermarsch verbessern?
# Sensibilisierung der Bevölkerung für Hochwasserrisiken und Vorsorgemaßnahmen
„Es gibt keinen 100-prozentigen Schutz vor Hochwasser“, betont Bormann. „Unsere Umfrage in Butjadingen hat gezeigt, dass ein Großteil der Menschen in der Region immer noch glaubt, dass die Deiche in Zukunft als Schutz ausreichen. Wer als Bürger seine eigene Vorsorge plant, ist aber viel besser gegen die Risiken gewappnet.“ Kebschull ergänzt: „Die Hochwasser bei Köln 1993 und 1995 haben einen interessanten Effekt gezeigt: Die Vorsorgemaßnahmen nach dem ersten Hochwasser konnten die Schäden nach dem zweiten Hochwasser gemessen in D-Mark halbieren. Da Hochwasser als höhere Gewalt gilt, gibt es für seine Folgen keine Elementarschadensversicherungen. Umso wichtiger ist es, mit allen anderen Mitteln vorzusorgen.“
Die Umfrage des Projekts in Butjadingen machte außerdem deutlich, dass die jüngeren Menschen in der Region weniger über Katastrophenfolgen und Katastrophenschutz informiert sind als ältere. Auch zeigten sich die Jüngeren risikobereiter in Bezug auf Hochwasser.
# Sensibilisierung der Bevölkerung für die Bedeutung von Nachbarschaftshilfe
„Not, die durch Eigenvorsorge nicht abgedeckt werden kann, lässt sich durch Hilfe unter Nachbarn lindern, insbesondere bevor Hilfskräfte eintreffen oder wenn diese durch das Ausmaß des Katastrophenfalls bereits ausgelastet sind“, erklärt Bormann. „Hier kann noch mehr getan werden, um die Bewohner der Wesermarsch über einfache Hilfen in der Gemeinschaft zu informieren.
# Hochwasserschutzplan
Sehr hilfreich wäre außerdem ein Hochwasserschutzplan für die Region. Dieser Plan würde die Handlungsebenen des Hochwasserrisikomanagements strategisch für die Wesermarsch konkretisieren und gemeinsam von der unteren Wasserbehörde, der unteren Deichbehörde und dem Katastrophenstab formuliert.
# Weiterführung des Hochwasserschutztages
Sowohl die Besucher als auch die Akteure fanden den Hochwasserschutztag informativ und nützlich“, sagt Bormann. „Alle wünschen sich die regelmäßige Organisation dieses Tages. Nach Abschluss unseres Projektes müssen die regionalen Akteure die Organisation selber in die Hand nehmen. Bisher fehlt es noch an einer Person, bei der die Fäden zusammenlaufen und die den Infotag federführend weiter organisieren kann.“
Hilfreiche Links
Hier finden Sie weiterführende Informationen über Hochwasserrisiken und mögliche Vorsorgemaßnahmen:
# Broschüre mit allen Ergebnissen des Projektes FRAMES in der Wesermarsch:
Die Broschüre erläutert sowohl die Risiken von Hochwasser als auch die möglichen Schutzmaßnahmen gegen seine Folgen.
# Notfallbroschüre des BKK:
Über richtiges Handeln im Notfall informiert dieser Ratgeber des Bundesamtes und Bevölkerungsschutz (BKK). Er beschreibt unter anderem, welche Lebensmittel und Utensilien in den Notfallvorrat jedes Haushalts gehören (ab Seite 9).
# Bauvorsorge: Hochwasserschutzfibel:
Die Hochwasserschutzfibel des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat informiert über Objektschutz und bauliche Vorsorge.