Welche Auswirkungen kann die Digitalisierung für Patient_innen haben?
Viele Menschen haben im Zusammenhang mit Digitalisierungsmaßnahmen Angst vor Datenmissbrauch. Da wir aber in Deutschland sehr hochschwellige Datenschutzvorschriften haben, sehe ich das Risiko im Vergleich zu dem Nutzen, der dadurch gewonnen wird, als sehr gering an. Wir gewinnen durch die Digitalisierung eine Vielzahl an neuen, bisher nie dagewesenen Datenmengen, die wir für Forschungszwecke nutzen können. Diese Forschung kann helfen, die Pflege und Therapie der Patient_innen sicherer zu gestalten. Dafür ist es notwendig, dass wir weg kommen von einer Angstdebatte über mögliche Datenpannen, hin zu einem konstruktiven Dialog über den Mehrwert der Digitalisierung. Auch hier müssen wir das „wollen“ bei den Patienten_innen gezielt fördern, damit auch diese Zielgruppe die Digitalisierung akzeptiert.
Welche Forschungsprojekte planen Sie persönlich für die Zukunft?
Der Studiengang „Angewandte Pflegewissenschaft“ ist noch recht neu an der Jade Hochschule, sodass ich mich zurzeit primär dem Aufbau und der Sicherstellung des Studiums widme. Allerdings freue ich mich schon sehr, zukünftig gemeinsame Forschungsprojekte mit meiner neuen Kollegin Vanessa Cobus im Bereich eCare durchführen zu können. Mich interessiert dabei vor allem die Frage, wie wir die digitalen Kompetenzen der Pflegekräfte und insbesondere das „wollen“ bei der Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen fördern können.
Was liegt Ihnen in der Lehre besonders am Herzen, was Sie den Studierenden vermitteln möchten?
Im Rahmen meiner Lehre möchte ich jeder und jedem einzelnen Studierenden den Blick über den Tellerrand vermitteln. Die Pflegekräfte wurden in der Vergangenheit wenig bei Entscheidungen und Veränderungen eingebunden. Dies führte dazu, dass sich die Pflege abgesondert hat. Ich möchte den Pflegekräften aufzeigen, warum die Dinge derzeit im Gesundheitswesen so sind, wie sie sind und was jede und jeder einzelne von ihnen tun kann, um die Arbeit in der Pflege für sich selbst und für andere wieder ein Stück weit attraktiver zu gestalten.
Liebe Frau Aumann-Suslin, vielen Dank für das Interview!