Vor welchen großen Herausforderungen steht die Siedlungswasserwirtschaft heute?
Wir haben drängende Probleme in den kommenden Jahren zu lösen: Kurz gesagt brauchen wir Lösungen für das knapper werdende Trinkwasser, für den Umgang in Städten und Gemeinden mit den vermehrten Starkregenereignissen und wir müssen in der Abwasserreinigung deutlich energieeffizienter werden.
Die vergangenen trockenen Sommer und nun eine voraussichtlich weitere trockene Saison – zumindest in einigen Regionen Deutschlands – machen ganz deutlich, dass Wasser als wichtige Ressource nicht unendlich zur Verfügung steht. Im letzten Dezember hat der ostbrandenburgische Wasserverband Strausberg-Erkner angekündigt, im Notfall die Wassermenge für Privathaushalte innerhalb einer Trockenperiode zu drosseln. In der Region hatte in den vergangenen Sommern das Wasser kaum ausgereicht. Da in Deutschland ein Recht auf Trinkwasser besteht, wird das Wasser auch in Zukunft nicht ganz abgedreht. Aber wenn ein Haushalt die zugewiesene Wassermenge überschreitet, könnten in Strausberg-Erkner künftig Vertragsstrafen anfallen. In anderen Regionen Deutschlands ist die Wasserversorgung zwar bisher weniger kritisch. Aber solche Vorgänge zeigen, dass wir unser Trinkwasser nicht als selbstverständlich ansehen können. Wir müssen anders und viel bewusster damit umgehen. Sehr gut finde ich zum Beispiel die neue Initiative des OOWV (Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband) für den Nordwesten Niedersachsens. Der Verband hat sich entschieden, den Ökolandbau zu fördern. Denn die herkömmliche Landwirtschaft führt zu einer sehr hohen Nitratbelastung im Grundwasser. Die möchte man mit ökologischer Landwirtschaft verringern.
Die Wasserversorgung ist aber nur ein Teil der Siedlungswasserwirtschaft. Wir beschäftigen uns außerdem mit dem Regenwasser. Durch den Klimawandel nehmen Starkregenereignisse zu. Unsere Städte und Gemeinden brauchen dringend Lösungen, damit sie mit diesen Wassermassen sinnvoll umgehen können. Es gibt schon viele gute Konzepte und beispielhafte Umsetzungen in Quartieren, aber gleichzeitig fehlt es häufig noch an einer flächendeckenden Umsetzung. Diese gestaltet sich oft auch schwierig, dadurch, dass viele verschiedene Interessenvertreter_innen in eine solche Planung eingebunden sind und sich miteinander abstimmen müssen.
Als dritte große Herausforderung nannte ich eingangs die Abwasserreinigung. Kläranlagen sind einerseits wichtig, weil sie unseren Gewässerschutz sicherstellen. Das Problem ist aber: Sie verbrauchen in den Kommunen anteilig die meiste Energie. Auch hier müssen wir bezahlbare, alternative, sichere und nachhaltige Energiequellen bevorzugen. Wir müssen prüfen, inwiefern wir den Anteil erneuerbarer Energien erhöhen und Prozesse energieeffizienter gestalten können.
Insgesamt begegnen uns also in der Siedlungswasserwirtschaft viele Herausforderungen, die auch unser alltägliches Leben und unseren Umgang mit Wasser betreffen. Daher empfinde ich es als besonders spannendes Arbeitsgebiet.