Beschreibung
Viele Mädchen wenden sich in ihrer Pubertät von mathematisch-naturwissenschaftlichen Fä-chern ab. Sie scheinen überzeugt davon, dass ihre Begabungen eher im sprachlichen und sozialen Bereich liegen. Am Ende ihrer schulischen Laufbahn wählen sie häufig geschlechtstypische Ausbildungen und Studienfächer. Gleichzeitig herrscht in unserer Gesell-schaft immer noch die Annahme vor, dass Jungen sich eher als Mädchen für Technik interessieren und in diesem Bereich auch stärker begabt sind. Diese Annahme scheint sich durch die empirisch beobachtbaren Verhältnisse in hochqualifizierten technisch-naturwissenschaftlichen Berufen zu bestätigen. Wir haben jedoch beobachtet, dass jüngere Mädchen (Girls’ Day- Teilnehmerinnen) technischen Themenstellungen offener gegenüber stehen als Mädchen in oder jenseits der Pubertät. Hier setzt das geplante Forschungsvorhaben an. Geplant ist die Entwicklung von Lerneinheiten im Bereich Geoinformation und deren Einsatz in einer wöchentlich stattfindenden Veranstaltung mit dem Titel „Arbeitsgemeinschaft Geoinformationssysteme“ für Schüler/innen der 6. und 7. Klassenstufe. Innerhalb der AG soll anhand von Themen der Geoinformation die Arbeit mit modernen IT-Techniken vermittelt werden. Die Durchführung erfolgt in einer reinen Mädchengruppe und einer gemischtgeschlechtlichen Gruppe. Hier erfolgt die vergleichende wissenschaftliche Beobachtung des Lernverhaltens innerhalb der mono- und koedukativen Gruppe.Durch den Vergleich der beiden Gruppen soll erforscht werden, ob sich die Mädchen in der gleichgeschlechtlichen Gruppe anders verhalten als in der gemischten Gruppe. Sigrid Metz-Göckel et al. haben in ihrer Studie „Mädchen, Jungen und Computer. Geschlechtsspezifisches Sozial- und Lernverhalten beim Umgang mit Computern. (Opladen, 1991)“ festgestellt, dass sich in den gemischtgeschlechtlichen Gruppen quasi natürlich Geschlechterarrangements ausbildeten: Die Jungen beschäftigten sich aktiv mit dem Computer, die Mädchen saßen daneben. In der gleichgeschlechtlichen Gruppe der Mädchen beobachten die Forscherinnen ein breiteres Verhaltensspektrum. Die Mädchen waren insgesamt aktiver, sie wechselten einander ab in der Nutzung des Computers und Konkurrenzverhalten wurde beobachtet. Wir beabsichtigen in diesem Projekt zu untersuchen, ob sich die Mädchen die technischen Inhalte aktiver, interessierter und nachhaltiger erschließen, wenn sie monoeduaktiv unterrichtet werden. Es ist von besonderem Interesse, ob eine so durchgeführte Veranstaltung zur Vereinbarkeit des Zugewinns an technischer Kompetenz und der Ausbildung einer geschlechtlichen Identität – wofür die Pubertät eine bedeutsame Phase ist – führen kann.
