Ja, wir haben alle schon Viren gehabt, sogar unsere Computer. Und wir haben gelernt, dass es Maßnahmen gibt, uns zu schützen. Aber Virenschutzprogramme oder Impfungen sind es nicht alleine: die Kombination von konfektionierten Maßnahmen hilft am besten. Die ersten Maßnahmen können wir schon: Händewaschen, Mund-Nasenschutz, Ellenbogenbegrüßung und Abstand, Abstand, Abstand… Die nächste Stufe wäre die Warnung vor Infektionsrisiken in unserem Umfeld. Und genau darum geht es: eine Art Schwarm-Maßnahme in unserem Umfeld, die am besten hilft, wenn viele teilnehmen und wenige infektiös sind.
„Ich hab die Corona App, weil ich statt Urlaub lieber Quarantäne mache … haha“ – ist sarkastisch im Netz zu lesen. Oder, dass möglicherweise die Freunde in Quarantäne müssten, weil man selbst infiziert wäre. JAAAAA, rufen wir ihnen zu! - JA, genau, darum geht es! Menschen schützen andere Menschen dadurch, dass sie nicht irgendwo heruminfizieren. Sie müssen aktiv gefunden und isoliert werden, denn sie selbst erfahren ohne Hilfe von der Krankheit immer zu spät. Für die Erkrankten ändert sich nichts, sie bleiben krank, werden isoliert und genesen hoffentlich, das ist Gesetz. Aber für die anderen und deren Familien kann es unmittelbar (und mittelbar) eine Frage über Leben und Tod sein. Die letzten größeren Ausbrüche hätten mit der App vermutlich minimiert werden können – vielleicht hätten sogar schon Leben gerettet werden können.
Ja – es gibt Bedenken, die haben wir auch. Wir sind besonders misstrauisch, wenn es um digitale Gesundheitsdaten geht. Aber: der Betreiber ist vertrauenswürdig und vor allem: der Nutzen könnte erheblich sein, der Schaden sicher weniger. Wenn die App nichts nützt, dann löschen wir sie 2021 wieder. Wenn sie aber etwas nützt, müssen einige von uns (manche nur vorsorglich) in Quarantäne. Aber alle werden vor dem unwissentlichen Weitergeben der Viren bewahrt. „Unseren Nächsten“ müssen wir nicht unbedingt lieben, noch nicht einmal kennen, aber wenn es Menschen rettet, dann ist es unsere Zweifel allemal wert. Lieber in Quarantäne gehen, als jemanden zu infizieren – so einfach ist die Logik. Hardcore Gegner werden wir nicht überzeugen können, aber die „hab ich vergessen“ Studierenden oder die „wollte ich noch machen“ Kolleg_innen oder die ganz speziellen „WussteIchNichtse“, die möchten wir erreichen.
Wir wünschen uns Normalität zurück und Vorlesungen und Seminare und Exkursionen und ja – auch die Mensa. Wir sind doch keine Eremiten, sondern Eltern, Kinder, Geschwister, Enkel, Freunde und Kommiliton_innen und Kolleg_innen. Insofern ist diese App, die nur Risikobegegnungen meldet, ein sinnvoller Baustein für den Weg zurück zur vorcoronalen Welt.
Normalität ist ja eigentlich was Langweiliges, aber nochmal Lockdown, Social Distancing, Home Schooling, Reiseverbote, Krankheit und sogar Tod? Dann nehmen wir lieber Normalität und schauen auf die App, die sagt: keine Risiko-Begegnung bisher. Und diese Meldung wird verlässlicher, je mehr Menschen mitmachen.