JW: Sie haben sich insbesondere auch in der Frauenförderung engagiert und waren 1993 als erste Frau Teil der Hochschulleitung. Wie hat sich aus Ihrer Sicht die Rolle von Frauen in technischen Studiengängen und in der Hochschullandschaft seitdem entwickelt?
Paral: Ich habe die Anfänge der institutionalisierten Frauenförderung miterlebt. Trotz Fortschritten steigt der Anteil von Frauen in technischen Professuren nur sehr langsam. Ursache sind weniger fehlendes Engagement als vielmehr festgefahrene gesellschaftliche Strukturen und unzureichende Rahmenbedingungen.
Als ich 1989 zur ersten Frauenbeauftragten der FH Oldenburg bestellt wurde, waren die Aufgaben zunächst kaum definiert. Der gesetzliche Auftrag, bestehende Nachteile für Frauen zu beseitigen, ließ großen Gestaltungsspielraum. Gleichzeitig bot das Amt die Möglichkeit, Ungleichbehandlungen sichtbar zu machen und Veränderungen anzustoßen.
Die Akzeptanz war anfangs gering – sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Studentinnen sahen sich oft nicht benachteiligt, während ich als Frauenbeauftragte unter starkem Rechtfertigungsdruck stand und teils offenem Widerstand begegnete. Täglich musste ich mir immer wieder die gleichen Bemerkungen anhören, wie zum Beispiel: „Wann bekommen wir einen Männerbeauftragten?“ oder: „Was macht man so als Frauenbeauftragte?“. Auch das Herbeirufen des Kanzlers in eine Sitzung und das Einholen seiner Rechtsauskunft, ob meine Teilnahme gesetzlich sanktioniert ist, musste ich mir gefallen lassen. Erst mit der Zeit entwickelte sich mehr Verständnis und auch Unterstützung.
Inhaltlich setzte ich Schwerpunkte, die meiner ingenieurwissenschaftlichen Perspektive entsprachen. Besonders wichtig war mir das Modellprojekt zur Motivation von Frauen und Mädchen für ein Ingenieurstudium. Ziel war es, langfristig mehr Frauen für MINT-Fächer zu gewinnen und so die Basis für weibliche Professuren zu verbreiten. Ergänzt wurde dies durch Maßnahmen wie Qualifizierungsprogramme, Berufungsverfahren, Weiterbildungsangebote und Initiativen zur Verbesserung der Studienbedingungen, etwa bei Kinderbetreuung oder Infrastruktur.
Auch die Vernetzung auf Landes- und Bundesebene sowie die Mitwirkung am Niedersächsischen Hochschulgesetz trugen dazu bei, Frauenförderung strukturell zu verankern. Dennoch blieb die praktische Umsetzung oft mühsam, geprägt von Widerständen, bürokratischen Hürden und fehlender Unterstützung.
Eine Verbesserung der Wohnsituation für Studierende, ein stärker ausgebauter öffentlicher Nahverkehr sowie eine verlässliche Kinderbetreuung könnten wesentlich dazu beitragen, den Frauenanteil zu erhöhen. Gleichzeitig würden diese Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Fachkräftemangels leisten, indem sie zusätzliche Anreize für Arbeitgeber schaffen, verstärkt weibliche Fachkräfte zu gewinnen.
Voraussetzung dafür ist jedoch eine konsequente Vereinbarkeit von Familie, Studium und Beruf – etwa durch flexible Arbeitszeitmodelle und Homeoffice-Optionen, die über reine Betreuungsangebote hinausgehen. Wir sollten das Ziel verfolgen, den Frauenanteil auch in handwerklichen Berufen spürbar zu steigern. Es wäre ein Gewinn für die Arbeitskultur, wenn beispielsweise eine Ingenieurin auf der Baustelle in einem gemischten Team agiert, statt sich in einem rein männlich geprägten Umfeld zu behaupten.
Zu den Erfolgen zählen steigende Akzeptanz, mehr Frauen in wissenschaftlichen und administrativen Positionen sowie erste Fortschritte bei Professuren. Gleichzeitig wurde mir durch meine Tätigkeit bewusst, dass Benachteiligung oft subtil wirkt – etwa durch Isolation oder fehlende Netzwerke – und mit größerem Aufwand für Frauen verbunden ist.
Rückblickend steht der hohe persönliche Einsatz nicht immer im Verhältnis zu den erreichten Ergebnissen. Dennoch betrachte ich diese Zeit als große persönliche und berufliche Bereicherung. Das Engagement hat meine Sicht erweitert, mir neue Handlungsmöglichkeiten eröffnet und letztlich auch meinen weiteren Karriereweg bis in die Hochschulleitung mitgeprägt.
JW: Frau Paral, die Jade Welt bedankt sich für Ihre Zeit und wünscht Ihnen alles Gute!