Küste als vernetztes Ökosystem
Im Zentrum des Entwurfs stehen die Küstenlandschaften Jamaikas. Mangroven, Korallenriffe und Seegraswiesen bilden dort ein dichtes Netzwerk von Lebensräumen, das nicht nur eine außergewöhnlich hohe Biodiversität trägt, sondern auch eine wichtige Schutzfunktion für die Küsten übernimmt. Diese Ökosysteme bremsen Wellen, stabilisieren Sedimente und schützen Küstenräume vor Erosion und Sturmfluten.
Doch genau diese Lebensräume geraten zunehmend unter Druck. Steigende Wassertemperaturen, Verschmutzung, der Verlust von Mangrovenflächen und immer häufigere Extremwetterereignisse destabilisieren viele Küstenregionen weltweit. Auch Jamaika ist von diesen Entwicklungen betroffen.
Herolds Entwurf versteht die Küste deshalb nicht als einfache Linie zwischen Land und Meer, sondern als vernetztes System verschiedener Lebensräume. Aufbauend auf dieser Perspektive entwickelt das Projekt eine naturbasierte Strategie zur Regeneration der jamaikanischen Küstenlandschaft.
Ein Netzwerk für resiliente Küsten: Schutz, Wiederaufbau und nachhaltige Nutzung
Im Zentrum steht ein Netzwerk aus sechs Küstenstationen, das unterschiedliche Habitate entlang der Küste adressiert – von Mangrovengebieten über Brackwasserzonen und urbane Küstenräume bis hin zu Korallenriffen, Seegraswiesen und Tiefseehabitaten. Jede Station fungiert als Ankerpunkt für Maßnahmen, die ökologische Prozesse stärken und geschädigte Lebensräume wieder aufbauen sollen.
Zu den vorgeschlagenen Interventionen gehören unter anderem schwimmende Feuchtgebiete zur Wasserfiltration, bioaktive Wellenbrecher zur Reduktion von Küstenerosion, Aufzuchtstationen für Mangroven, Seegras und Korallen sowie Rehabilitationsbereiche für verletzte Meerestiere. Ergänzt werden diese durch Angebote für Forschung, Umweltbildung und vorsichtigen Ökotourismus. Besucherinnen und Besucher könnten beispielsweise mit Kajaks unterwegs sein, die während der Fahrt Mikroplastik aus dem Wasser filtern, während Beobachtungsplattformen und Unterwasserkameras Einblicke in die marinen Lebensräume ermöglichen, ohne sie zu stören.
Durch die Kombination dieser Maßnahmen entsteht eine räumliche Strategie, die Biodiversität stärkt, Wasserqualität verbessert und Küstenlandschaften widerstandsfähiger gegenüber Extremereignissen machen soll.