JW: Was hat Sie zum Wechsel an die Jade Hochschule bewogen?
Dietsche: Die Jade Hochschule hat sich konsequent auf den Weg gemacht, eine der aus meiner Sicht zurzeit spannendsten Entwicklungen im Gesundheitswesen mitzugestalten, nämlich die Akademisierung der Gesundheitsfachberufe. Mit einigen interessanten neuen Studiengängen wird sie hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Ich freue mich darauf, diese Entwicklung tatkräftig zu unterstützen. Besonders reizvoll finde ich dabei die Arbeit in einem interdisziplinären Team, da ich glaube, dass die besten Ideen dort entstehen, wo ganz unterschiedliche Blickwinkel zusammengebracht werden.
JW: Mit welchen Erwartungen und Vorstellungen treten Sie die Professur an?
Dietsche: Das Gesundheitswesen ist in permanenter Bewegung und steht immer im Spannungsfeld zwischen dem therapeutisch Sinnvollen und dem Finanzierbaren. Alle Akteure des Gesundheitswesens müssen sich mit der Wirksamkeit ihres Tuns auseinandersetzen, egal ob gegenüber Patientinnen und Patienten, Kostenträgern oder anderen Berufsgruppen. Dementsprechend ist das Thema der Evidenzbasierung, also des nachweisgestützten Arbeitens, inzwischen das Maß aller Dinge. Ich möchte im Rahmen meiner Tätigkeit an der Jade Hochschule dazu beitragen, die Studierenden auf diese Anforderungen vorzubereiten und ihnen das Wissen und die Fertigkeiten vermitteln, die eigene Tätigkeit zu reflektieren und immer wieder neue Erkenntnisse in die eigene Arbeit einfließen zu lassen.
JW: Welche Schwerpunkte möchten Sie in Lehre und Forschung setzen?
Dietsche: An der Jade Hochschule werde ich in der Lehre vor allem forschungsmethodische Fächer vertreten. Hier ist es mir wichtig, Studierenden die nötigen Werkzeuge für einen erfolgreichen Theorie-Praxis-Transfer zu vermitteln. Dabei sehe ich mich vor allem in der Rolle eines Lernbegleiters.
In der Forschung möchte ich zwei Themen weiterführen, die mich in den letzten Jahren begleitet haben. Zum einen ist dies das Thema der sozioökonomischen Auswirkungen schwerer Erkrankungen. Hierbei geht es nicht nur um die Analyse von Risikofaktoren für finanzielle Probleme nach Erkrankungen, sondern auch um Strategien, um diesen Problemen entgegenzuwirken. Ein weiteres Forschungsinteresse ist die Kommunikation in interdisziplinären Teams, also die Frage, wie Ausbildung und Selbstverständnis einer Berufsgruppe die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen erleichtert oder erschwert.