JW: Herr Katthagen, was hat Sie zum Wechsel an die Jade Hochschule bewogen?
Katthagen: Über die Jahre habe ich – neben meiner praktizierenden Tätigkeit als Architekt und Urbanist – an verschiedenen akademischen Einrichtungen gelehrt. Dabei habe ich die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen des themfeldübergreifenden Denkens und Handelns testen und präzisieren können. In der seinerzeit ausgeschrieben Professur sah ich in dem anvisierten inhaltlichen Dreiklang von Städtebau, Freiraum und (Stadt)Theorie einen ganzheitlichen Ansatz gespiegelt, der meinem Lehrverständnis entspricht und der in seiner Bandbreite in deutschen Hochschullandschaft ein gewisses Alleinstellungsmerkmal inne hat.
JW: Mit welchen Erwartungen und Vorstellungen treten Sie die Professur an?
Räumlich: Die Jade Hochschule (Oldenburg) befindet sich mitten in der Stadt. Das ist besonders und nicht selbstverständlich, wie ich aus eigener (leidvoller) Erfahrung an den verschiedenen Universitäten, an denen ich gelernt aber auch gelehrt habe, sagen kann. Und ich finde ein Ort, an dem über Architektur, Stadt und Freiraum nachgedacht wird, gehört genau dort hin – in die Stadt. Zudem befindet sich dort mit dem prägnanten Ziegelbau für Mitarbeiter_innen und Studierende ein Gebäude, das sich in seiner Präsenz und Klarheit nicht hinter Schinkels berühmter Bauakademie in Berlin verstecken muss. Kurzum, die Jade Hochschule ist ein Ort, den ich nahezu täglich gerne aufsuchen werde.
Inhaltlich: Um Stadtraum zu begreifen, zu verstehen und selbst mehrfach codiert (mit) zu gestalten, halte ich Verständnis und Anwendung von verschiedenen Fachdisziplinen für förderlich, zumeist gar unabdingbar, um lebendige, funktionierende und `nachhaltige` Stadt zu gestalten. Dieses Ineinandergreifen und Verzahnen zu vermitteln wird eine wesentliche Aufgabe sein. Darüber hinaus möchte ich in der Lehre weitere Akteure der Stadtraumgestaltung, beispielsweise Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und der Zivilgesellschaft als `Player der Stadt` vermitteln aber auch in die Lehre selbst, zum Beispiel in Form von Kooperationen, integrieren.
Strukturell: Das Leitbild der Jade Hochschule – innovativ, kompetent, kooperativ, vielfältig und zugewandt – deckt sich dabei erfreulicherweise mit meinem eigenen Verständnis von der Ausübung der Professur Städtebau und Freiraumgestaltung auf inhaltlicher Ebene wie auch im Umgang und Austausch mit den Studierenden sowie den Kolleginnen und Kollegen!
JW: Welche Schwerpunkte möchten Sie in Lehre und Forschung setzen?
Katthagen: Klimawandel. Digitalisierung. Kulturelle Diversität. Wem gehört die Stadt? Wie auch in anderen Disziplinen, muss sich die Stadtraumgestaltung mit Fragen auseinandersetzen, die einen tief greifenden Wandel in der inhaltlichen Ausrichtung der Fachrichtung in sich tragen (können!). Hier Antworten zu finden, Werkzeuge zu entwickeln und anzuwenden, mit denen auf einer städtebaulichen Ebene diesen Herausforderungen begegnet werden kann, wird Aufgabe der Professur in Lehre und Forschung sein.




