Zeitzeugen von Naturkatastrophen können Folge-Generationen helfen
Leben Zeitzeugen großer Ereignisse nicht mehr, verstummen die Erinnerungen daran. Das gilt auch für große Naturkatastrophen wie Sturmfluten, Hitzewellen, Erdbeben oder Vulkanausbrüche. Obwohl sie meist Verletzte, Todesopfer und schwere materielle Schäden mit sich bringen, sind in vielen Risikoregionen nachfolgende Generationen nicht ausreichend über Präventivmaßnahmen und Verhaltensweisen im Risikofall informiert. Tritt eine große Naturkatastrophe nach vielen Jahrzehnten erneut in derselben Region ein, kann sie die Menschen ebenso hart und unvorbereitet treffen wie ihre Vorfahren. Forschungen zeigen, dass insbesondere die klimabedingten Risiken – Überschwemmungen, Stürme und Hitzewellen – in ihrer Häufigkeit zunehmen. Besonders für sie wird eine gute Risikokommunikation weltweit wichtiger, auch in Deutschland.
Angehörige und die Menschen im Umfeld von Zeitzeugen haben die Chance, von diesen mehr über die Folgen von Naturkatastrophen und den Umgang damit zu erfahren. So kann zum Beispiel das Wissen um die Orte, die im Falle einer Sturmflut anzusteuern sind oder welche Notfallausrüstung in einem Risikogebiet in einen Haushalt gehören, Leben retten und den Umgang mit dem Risiko erleichtern. Auch lassen sich Vorkehrungen wie Baumaßnahmen treffen, die helfen, bestimmte Schäden abzuwenden oder zu reduzieren. So kann das Wissen der Zeitzeugen nachfolgenden Generationen helfen, sich besser auf den Risikofall vorzubereiten.
Innovative Ansätze der Risikokommunikation
Um das wertvolle Wissen der Zeitzeugen über die Folgen von Naturkatastrophen und implizite Schutzmaßnahmen systematisiert zu erfassen und es den betroffenen Regionen für ein präventives Risikomanagement zur Verfügung zu stellen, hat eine internationale Forschungsgruppe unter Beteiligung von fünf Hochschulen aus Europa und Lateinamerika das Projekt „Citadine“ (französisch für „städtisch“ oder „Bürgerin“) – Citizen Science and Nature-based-solutions for improved disaster preparedness“ – ins Leben gerufen. Federführend am Projekt beteiligt ist die Jade Hochschule, die mit Prof. Dr. Michael Klafft einen Experten für Risiko- und Krisenkommunikation auf der Basis von Informationstechnologie als Projektkoordinator stellt.
Die „Große Sturmflut“ von 1962 an der Nordseeküste
Eine der großen historisch bedeutsamen Naturkatastrophen in unserer Region war die Sturmflut vom 16. Februar 1962 – in Norddeutschland ist sie auch als „Große Sturmflut“ bekannt. Sie traf die deutsche und niederländische Nordseeküste und führte zu Zerstörungen in großem Ausmaß und traf auch Ballungszentren wie Hamburg und Bremen. Zeitzeugen können sich am Projekt „Citadine“ beteiligen. Diese Bilder entstanden kurz nach der Sturmflut:

yukie.yasui@jade-hs.de






