Beschreibung
Die auditive Kommunikation bestimmt den Lebensalltag nahezu aller Menschen. Ihr Gelingen hängt wesentlich von dem Zusammenspiel technisch-akustischer Faktoren und den Hörfähigkeiten der beteiligten Kommunikationspartner ab. Um technisch-akustische Anforderungen z.B. in der Mensch-Maschine-Interaktion gezielt normativ gestalten oder Barrierefreiheit bestmöglich gewährleisten zu können, müssen die Hörfähigkeiten in der Allgemeinbevölkerung als auch verschiedener gesellschaftlicher Gruppen präzise beschrieben sein. Bevölkerungsbasierte Erhebungen liefern die erforderliche Datenbasis, sofern die gewählten Untersuchungsmethoden geeignet sind, den Hörstatus in seinen alltagsrelevanten Dimensionen zu erfassen. Gemessen an der Wichtigkeit, die hier insbesondere dem Sprachverstehen bei Umgebungsgeräuschen zukommt, ist der Mangel an verlässlichen Daten aus bevölkerungstypischen Populationen geradezu eklatant. Für die gebräuchlichen deutschen Sprachteste im Störschall stehen keine belastbaren altersdifferenzierten Referenzverteilungen zur Verfügung, auf die für das nutzerzentrierte Design von elektro-akustischer Alltagstechnik oder in der Hörrehabilitation zurückgegriffen werden könnte. Vor diesem Hintergrund wurde für ALLSTAT ein Untersuchungsprogramm entworfen, das etablierte und gebräuchliche Testmethoden mit Verfahren kombiniert, deren Potential für eine alltagsrelevante Charakterisierung durch die Grundlagenforschung nachgewiesen, aber in Bevölkerungsstudien bislang nicht annähernd ausgeschöpft ist. Für sämtliche Untersuchungsverfahren sollen in einer Studiengruppe mit 2000 erwachsenen Teilnehmer:innen alters- und geschlechtsabhängige Referenzwerte ermittelt werden. Ferner sollen über einen Methodenvergleich neue Standards für Messverfahren abgeleitet werden, die die ökologische Validität in der Erfassung des Hörstatus zukünftig verbessern können. Ein solcher Art erweitertes audiologisch-akustisches Bewertungsprofil kann für eine Vielzahl von Anwendungen wie z.B. der Lärmbeurteilung, der Spezifikation von Hörgeräten und Übertragungsanlagen sowie als realistischer Erwartungshorizont für die Rehabilitation und die bevölkerungsbasierte Hörforschung von großem Nutzen sein. Die geplante Studie baut auf einschlägigen Vorarbeiten der Antragstellerin auf, die zu einem beträchtlichen Teil in die Normung eingingen. So flossen beispielsweise die Ergebnisse der bevölkerungsbasierten Studie HÖRSTAT in die Revision von ISO 7029 ein und sind auch in der derzeitigen Überarbeitung von ISO 1999 berücksichtigt.