Beschreibung
Eine Verminderung der Hörfähigkeit äußert sich nicht nur in einem verschlechterten Sprachverstehen, das mit vorhandenen Untersuchungsmethoden im klinischen Umfeld erfasst werden kann. Selbst bei noch ausreichendem Sprachverstehen klagen Personen mit gering- bis mittelgradiger Schwerhörigkeit über eine besondere Beanspruchung in alltäglichen Kommunikationssituationen, die zu einer Vermeidung dieser Situationen und zu einer zunehmenden Vereinsamung führen kann.Der Forschungsschwerpunkt hat sich zum Ziel gesetzt, Messgrößen und -verfahren zu entwickeln und zu evaluieren, die diese Hörbeanspruchung quantifizieren können und damit die Hördiagnostik und Überprüfung von technischen Hörsystemen an die Bedarfe der schwerhörigen Menschen zu adaptieren. Dazu werden in einer hochgradig interdisziplinären Zusammensetzung der Antragstellergruppe die zur Erreichung der Ziele notwendigen Fachdisziplinen Audiologie, HNO-Heilkunde, Versorgungsforschung, Ingenieurwissenschaften und Psychologie in einzigartiger Weise zusammengeführt.Gegenstand des Forschungsschwerpunktes ist es also, die mit Hörminderung einhergehenden zusätzlichen Beanspruchungen umfassend zu erfassen, zu beschreiben und zu quantifizieren. Dazu• wird im 1. Projektschritt „Analyse“ zunächst ein Kataster der im Alltag relevanten Hörsituationen erstellt und die Schallstruktur der jeweiligen Hörsituationen sowie die darin erfahrende Höranstrengung beschrieben. Identifizierte relevante Hörsituationen werden zum Einsatz in Projektschritt 2 aufgenommen.• werden im 2. Projektschritt „Synthese“ die im vorangegangenen Schritt identifizierten Hörsituationen mit einem Wellenfeld-Synthese-System wirklichkeitsgetreu nachgebildet. Die Hörbeanspruchung in den so im Schalllabor reproduzierten realistischen Hörsituationen wird unter kontrollierten Bedingungen von hörgesunden und hörgeschädigten Personen anhand psychometrischer Tests und psychophysikalischer Skalierungsverfahren quantifiziert. Die Verlagerung realer Hörsituationen in die Laborsituation erlaubt die zusätzliche Erfassung von Kopfbewegungen und von psychophysiologischen als möglicherweise mit der Hörbeanspruchung korrelierte Biosignale.• werden im 3. Projektschritt „Applikation“ auf Grundlage der vorangegangenen Erfahrungen praxistaugliche Mess- und Diagnoseverfahren zur Erfassung der Höranstrengung entwickelt und evaluiert. Für Fragen der Diagnostik und der Hörgeräte-Anpassung und -Beurteilung werden praktikable Messvorschläge entwickelt, überprüft und in die Literatur eingeführt. Praktikable, d.h. in der audiologischen Praxis anwendbare Methodeninventare zur Bestimmung der Höranstrengung für individuelle Fehlhörigkeiten, Alltagshören und Lebensumwelten werden extrahiert und veröffentlicht. Es werden Messvorschläge zur Bestimmung der Sprachverstehens in räumlichen Störgeräuschsituationen in die audiologische Diagnostik eingeführt.Mit der angegliederten Graduiertenförderung wird die Zielsetzung nachhaltig unterstützt.