• Beschreibung

    Die Bereitstellung von Metadaten aus Museen für die Forschung erfährt durch den Einsatz von KI eine transformative Entwicklung. Metadaten, die Informationen über Objekte in Museumssammlungen enthalten, können von KI-Methoden analysiert werden, um tiefgreifende Einblicke und Verbindungen zwischen verschiedenen Artefakten zu generieren. Diese automatisierte Analyse beschleunigt nicht nur den Forschungsprozess erheblich, sondern ermöglicht auch die Entdeckung verborgener Muster und Zusammen-hänge, die für menschliche Forscher_innen möglicherweise nur schwer oder nur mit ungleich größerem Aufwand zu erkennen wären. Darüber hinaus trägt die präzise Kategorisierung und Verknüpfung von Metadaten durch KI dazu bei, die Effizienz von Forschungsprojekten zu steigern und den Wissensaustausch innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft zu fördern. Die Digitalisierung und intelligente Aufbereitung von Metadaten eröffnen somit neue Horizonte für die Museumsforschung und tragen dazu bei, das Verständnis zu kulturellem Erbe durch innovative Technologien zu vertiefen.

    Das Projekt KiM ist wie folgt untergliedert:

    1. Bereitstellung und Transformation von Wissensquellen musealer Objekte zur Exploration, als Forschungsdaten sowie als inhaltliche Grundlage für KI-Training

    2. (Weiter)Entwicklung von KI-Methoden zur Bilderschließung und Ähnlichkeitssuche für Digitalisate

    3. KI-basierte Verknüpfung und Anreicherung der extrahierten Metadaten mit textuellen Wissensquellen

    4. Konzeption und Evaluation von möglichen und auf KI zugeschnittenen Betriebskonzepten, z. B. Data Operations (DataOps) und Machine Learning Operations (MLOps), inkl. Bewertung im Kontext von Museumsobjekten und KI

    5. Entwicklung eines dauerhaften Betriebsmodells der durchgeführten Entwicklung

    Projektdetails

    Projektleitung
    Prof. Dr. rer. nat. Sascha Koch
    Weitere Projektmitglieder
    M.Sc. Fokko MittelstaedtM.Sc. Friedrich Wenzel
    Gefördert durch
    VolkswagenStiftung
    Mittelherkünfte
    Sondermittel

    Wie KI die Museen von morgen gestaltet

    Niedersächsisches Forschungsprojekt will Kulturgüter digital neu erschließen

    Museen bewahren nicht nur wertvolle Objekte, sie sind auch Orte des Wissens. Doch ein Großteil dieses Wissens bleibt bislang im Verborgenen: Viele Sammlungen sind nur unvollständig dokumentiert, Herkunftsgeschichten sind schwer nachzuvollziehen und die vorhandenen Daten sind häufig nicht miteinander verknüpft. Ein neues Forschungsprojekt will das nun ändern. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) soll die Erschließung, Analyse und Präsentation von Museumsdaten entscheidend vorangebracht werden.

    Gefördert wird das Vorhaben „KI in Museen“ mit rund 2,25 Millionen Euro vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und von der VolkswagenStiftung zunächst für zwei Jahre. Die Jade Hochschule forscht zusammen mit der Verbundzentrale des GBV, der Universität Göttingen, der Leuphana Universität Lüneburg und der Technischen Informationsbibliothek daran, wie Museumsdaten mithilfe von KI erschlossen werden können. „Das Projekt markiert einen weiteren Schritt in der digitalen Transformation von Kulturgütern“, erklärt Verbundkoordinator Prof. Dr. Sascha Koch von der Jade Hochschule. Ziel sei es, Museumsobjekte für die Forschung und die breite Öffentlichkeit besser zugänglich zu machen.

    Mit dem neuen Forschungsprojekt positioniert sich das Land Niedersachsen als Vorreiter, um neue Standards für den Umgang mit digitalen Kulturdaten zu setzen. „Dieses Projekt stärkt die digitale Zukunft unserer Museen. Künstliche Intelligenz, systematisches Datenmanagement und gezielte Provenienzforschung eröffnen neue Möglichkeiten, Werke besser einzuordnen, die wissenschaftliche Recherche effizienter zu gestalten und verborgene Zusammenhänge sichtbar zu machen. So entstehen neue Impulse für die Forschung und ein tieferes Verständnis unserer Kulturgeschichte. All das unterstützen wir mit großer Überzeugung“, sagt Falko Mohrs, Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur. Für Besucherinnen und Besucher könnte das künftig ganz konkrete Folgen haben: digitale Kataloge, die nicht nur eine Liste von Objekten zeigen, sondern deren Geschichten gleich mitliefern. Ausstellungen, die Hintergrundinformationen auf Knopfdruck liefern oder Forschungsportale, die Sammlungen aus verschiedenen Museen miteinander vernetzen.

    Vier Arbeitspakete – vier Perspektiven

    Das Forschungsprojekt gliedert sich in vier Arbeitspakete, die jeweils unterschiedliche Herausforderungen im Museumsbereich aufgreifen:

    1. Provenienzforschung: Hier steht die Herkunft von Museumsobjekten im Mittelpunkt. Die Provenienzforschung untersucht zum Beispiel, ob Exponate während der NS-Zeit oder in kolonialen Kontexten geraubt oder auf unethische Weise entzogen wurden. Künstliche Intelligenz unterstützt dabei, indem sie große Datenmengen erschließt und intelligent durchsuchbar macht. So lassen sich Verdachtsmomente oder Wissenslücken systematisch erkennen. Dabei prüfen Provenienzexpert_innen die Ergebnisse auf historische Korrektheit und sind im Prozess der Datentransformation und -auswertung unverzichtbar.
    2. Digitale Erschließung: Einige Sammlungen wurden bislang nur in kleinen Teilen durch intensiven manuellen Aufwand erfasst. In diesem Arbeitspaket sollen aktuelle KI-Methoden genutzt werden, um Bilder und Artefakte automatisch zu kategorisieren und zu beschreiben. Kombiniert mit effizienten Such- und Visualisierungsmethoden ermöglichen diese Ansätze Fachleuten eine schnelle Überprüfung und Validierung der Vorschläge. Dies ermöglicht eine systematische Erschließung großer Bestände und verbessert die Durchsuchbarkeit und Exploration von Museumsdaten.
    3. Anreicherung von Metadaten: In einer Pilotphase konzentrieren sich die Forschenden auf antike Skulpturen. Texte aus der Archäologie und historische Grabungsberichte werden automatisch ausgewertet, sodass die Objekte zusätzliche Informationen erhalten, beispielsweise über Fundorte oder historische Bezüge. Diese Daten werden anschließend in digitale Systeme eingespeist und sind damit leichter nutzbar.
    4. Betriebsmodelle für die Praxis: Langfristig sollen die neuen Werkzeuge nicht im Labor bleiben, sondern ihren Weg in den Museumsalltag finden. Dazu braucht es tragfähige Konzepte für Technik und Organisation. Getestet wird dies unter anderem auf der KI-Plattform CoSAIR der Jade Hochschule.