• Fernerkundung in der Meerestechnik

    Das Wattenmeer mit dem Seegat zwischen den Inseln Norderney und Baltrum. Deutlich ist der durch Sandbänke gebildete Riffbogen zu sehen, der sich durch die Gezeitenströmungen nördlich des Seegats bildet.

    Das Wattenmeer ist ein weltweit einzigartiger Naturraum an der Nordseeküste. Die Jade Hochschule am Studienort Wilhelmshaven - umgeben von der Außenjade - ist praktisch mittendrin und damit ein prädestinierter Standort für die Erforschung dieser Landschaft.

    Durch die Einflüsse der Gezeiten ist das Wattenmeer räumlich und zeitlich in einem hohen Maße variabel. In-situ Messungen von Parametern wie beispielsweise Temperatur, Strömung oder Wellenhöhe geben daher nur sehr lokal begrenzte Einblicke.

    Der Blick von oben verschafft Überblick

    Ausblick aus dem Forschungsflugzeug zwischen den Inseln Langeoog und Spiekeroog.

    Fernerkundung eröffnet die Möglichkeit, ein großflächiges Lagebild für verschiedene Umweltparameter zur erzeugen. Dabei kommen verschiedene Sensoren wie Kameras, Lagesensoren oder laserbasierte Systeme zum Einsatz. Daneben werden auch Sensoren von Kooperationspartern für spezielle Messaufgaben in das Flugzeug integriert.

    Das Forschungsflugzeug D-KWHV

    Das Forschungsflugzeug der Jade Hochschule ist ein Reisemotorsegler vom Typ HK 36-TTC ECO des Herstellers Diamond Aircraft. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es ein breites Einsatzspektrum (Flughöhen,Geschwindigkeiten, Reichweiten, Einsatzdauer) bei vergleichsweise geringen Betriebskosten bietet.

    Die Konstuktion als Motorsegler in Kombination mit einem leistungsstarken, turbogeladenen Motor sorgt für ein großes Einsatzspektrum. So sind Flughöhen zwischen 150 m bis über 5000 m möglich, Reichweiten über 1000 km und Flugzeiten über 6 Stunden.

    In den Außenlastbehältern und im Rumpf können insgesamt 130 kg an Sensoren und Messausrüstung mitgeführt werden.

    Außenlastbehälter

    In den zertifizierten Außenlastbehältern unter den Tragflächen können jeweils Sensoren bis zu einer Masse von 50 kg mitgeführt werden. Es steht eine vom Bordnetz unabhängige Spannungsversorgung von 28 VDC/40 A zur Verfügung. In den Tragflächen befinden sich Kabelkanäle, über die Sensoren in den Außenlastbehältern mit Rechnerinfrastruktur im Rumpf verbunden werden können. 

    Außenlastbehälter

    Cockpit

    Neben dem Piloten findet ein Wissenschaftler an Bord Platz. Im Cockpit ist ein spezieller Platz für Missionsspezifische Ausrüstung vorhanden. Standardmäßig ist dort ein Monitor für das interne Rechnersystem eingebaut. Von hier aus können Messungen überwacht und gesteuert werden.

    Technische Merkmale

    Flugzeugtyp
    TMG (Touring Motor Glider)
    Zweisitziges einmotoriges Flugzeug mit hoher aerodynamischer Güte

     

    Hersteller
    Diamond Aircraft, Österreich

    Stromversorgung Sensoren
    28VDC, 40A (zusätzlich 5V, 12V, 230VAC verfügbar)

    Spannweite
    16,33 m

     

    Maximales Fluggewicht
    930 kg

    Zuladung
    300 kg

    Maximale Einsatzdauer
    > 6 h

     

     

    Reichweite
    > 1000 km

     

     

     

    Ausrüstung des Flugzeugs

    Im Cockpit

    Auf der linken Seite ist der Platz des Piloten. Das Primary Flight Display (PFD, Garmin G5) ist neben einer Anzeige für die flugbetrieblich wichtigen Daten auch eine Navigationshilfe. In Kombination mit einem GPS (Garmin GTN 650) können so Wegpunkte und Flugrouten programmiert werden, die vom Piloten gesteuert werden sollen.

    Rechts im Cockpit ist der Arbeitsplatz des Wissenschaftlers. Direkt im Blickfeld befindet sich ein Monitor mit Touchscreen, über den ein Windows PC gesteuert werden kann. Von diesem PC aus laufen Netzwerkleitungen zu den Sensorsystemen in den Außenlastbehältern unter den Tragflächen.

      

    Kameras

    Das multispektrale Kamerasystem setzt sich aus folgenden Einzelkameras zusammen:

    • Basler aca2040-25gc (RGB)
    • Basler aca2040-25gm (NIR)
    • FLIR A65 (IR)

    Für hochauflösende Aufnahmen wird eine Sony Systemkamera mit 61 Megapixel eingesetzt.

     

    Positions- und Lagesensoren

    Für viele Messaufgaben ist es wichtig, genaue Informationen über die Position und Lage des Flugzeugs im Raum aufzuzeichnen. Dazu werden folgende Syteme eingesetzt:

    • OXTS RT3102 (IMU)
    • Riegl LD90 (Laserhöhenmesser)

       

    Außenlastbehälter

    Eine Besonderheit des Flugzeugs sind die Außenlastbehälter. Gemäß Zulassung können diese ca. 50 kg an Nutzlast tragen und mit wenigen Handgriffen am Flugzeug montiert werden (plug-and-play). Hier werden Sensoren eingebaut, die mit Projektpartnern oder in studentischen Projekten entwickelt werden. Über Kabelkanäle in den Tragflächen wird die Energieversorgung und ein Anschluss an das Datennetzwerk bereitgestellt.

     

    Multispektrale Visualisierungen

    Das multispektrale Kamerassystem besteht aus einer RGB Kamera, einer Nahinfrarotkamera und einer Wärmebildkamera. Damit können verschiedene Bodenmerkmale wie beispielsweise der Vegetationsindex sichtbar gemacht werden.

    Multispektrale Visualisierungen

    Der Campus Wilhelmshaven der Jade Hochschule als RGB Bild.
    Der gleiche Bildausschnitt im nahen Infrarot (NIR).
    Der aus dem RGB- und dem NIR-Bild berechnete NDVI (Normalized Difference Vegetation Index).
    Digitales Höhenmodell der Insel Wangerooge. Die Bodenauflösung dieser Daten ist abhängig von der Flughöhe und liegt im Bereich zwischen 5 cm und 10 cm.

    Digitale Höhenmodelle

    Durch die Verrechnung einer größeren Anzahl von Einzelbildern und den zugehörigen Positionsdaten können großflächige digitale Höhenmodelle erzeugt werden. So können beispielsweise wertvolle Daten für den Küstenschutz gewonnen werden.

    Digitale Höhenmodelle

    Wenn das Höhenmodell mit einer Geländetextur kombiniert wird, können auch Schrägansichten des Geländes erzeugt werden.

    Orthomosaic der Jade Hochschule in Wilhelmshaven. Aufgenommen am 14.02.2019.

    Hochaufgelöste Orthomosaics

    Die im Flugzeug integrierten Kameras (RGB, NIR, IR) ermöglichen die Erstellung großflächiger und hochaufgelöster Orthofotos. Mit einer IMU (Intertial Measurement Unit) werden die Daten georeferenziert. Nach Kalibrierung des Systems liegt die Genauigkeit im Zentimeterbereich.

    Kontakt

    Prof. Dr.-Ing. Jens Wellhausen

    Friedrich-Paffrath-Straße 101

    26389 Wilhelmshaven

    E-Mail jens.wellhausen@jade-hs.de

    Tel. +49 4421 985-2961