Raus aus dem Seminarraum, rein in den Wald
„Ich ging in die Wälder, weil ich bewusst leben wollte. Ich wollte das Dasein auskosten. Ich wollte das Mark des Lebens einsaugen! Und alles fortwerfen, das kein Leben barg, um nicht an meinem Todestag Innezuwerden, daß ich nie gelebt hatte.“
Henry David Thoreau (1817–1862), US-amerikanischer Schriftsteller und Philosoph
Es gibt kaum ein erlebnis- und umweltpädagogisches Element, was so vielseitig nutzbar ist, wie der Wald. Er gibt Ruhe und Geborgenheit, Abenteuer und Herausforderungen, ein faszinierendes Netzwerk aus Pflanzen und Lebewesen. Gemeinsam mit Waldpädagoge Christoph Bruns hieß es für die Studierenden: raus aus dem Seminarraum, rein in den Wald. Ziel war der südlich gelegene Wald am Hooksieler Binnentief, der für drei Tage zum Lern- und Erfahrungsraum für die Studierenden wurde – sowohl persönlich als auch im Hinblick auf ihre spätere Arbeit im sozialen Bereich.
Natur erleben und pädagogisch verstehen
Der erste Tag diente dem Ankommen und dem Bewusstwerden dieses vielfältigen Lebensraums. Im Mittelpunkt: die reiche Wissenswelt des Waldes. Die Studierenden lernten einheimische Bäume und Sträucher kennen und sammelten Material für ihre Herbarien. Besonders spannend war das “Wood Wide Web”, in dem die Pilze und ihre Symbiose mit den Bäumen eine wichtige Rolle spielten. Zudem wurde der Methodenkoffer mit zahlreichen Übungen, Bewegungs- und Interaktionsspielen geöffnet, um gerade für Kindergruppen einen spannenden Tag im Wald gestalten zu können.
Eine Teamübung an diesem Tag war der Bau einer Strickleiter, die auf den Jagdsitz des “alten Jägers” in einem Baum führte. Hier arbeiteten die Studierenden als Gruppe handwerklich und organisatorisch zusammen.
„In der Exkursion Wald, die wir während des Schwerpunktes Erlebnis- und Umweltpädagogik absolvierten, durfte ich meine Verbundenheit zur Natur nochmal ganz neu entdecken. Die Gruppendynamiken, die während der verschiedenen Übungen entstanden sind, waren geprägt von guten Gefühlen, Erinnerung an Kindheit und vor allem der Gewissheit, dass man wenig braucht, um viel (gemeinsam) zu schaffen. Es war einfach schön kreativ tätig zu werden und viel mit den Händen zu machen. Ob das ein Leiterbau war, Feuer machen und draußen kochen oder die Konstruktion eines Shelters. Dabei lag der Fokus stets auf Achtsamkeit und darauf, wie wohltuend es ist, von Natur statt von weißen Wänden umgeben zu sein."
Luise-Katharina, 32 Jahre, 5. Semester