JW: Welches Thema bearbeiten Sie in Ihrer Doktorarbeit?
Pohlhausen: Wie lassen sich die Sprachaktivität und das akustische Umfeld von Menschen im Alltag analysieren, ohne die Privatsphäre zu verletzen? Diese Fragestellung steht im Mittelpunkt meines Promotionsprojektes. Die Sprachaktivität bildet das Gesprächsverhalten ab, welches ein wichtiger Indikator für das Sozialverhalten und das Wohlbefinden ist. Eine subjektive Einschätzung der Sprachaktivität ist häufig schwierig, unpräzise und im Hinblick auf Kinder unmöglich. Das Ziel meiner Doktorarbeit ist deshalb die Entwicklung eines offenen Gesamtsystems aus Hard- und Software zur Analyse der Sprachaktivität im Alltag unter Berücksichtigung der Privatsphäre.
Mögliche Anwendungsfelder umfassen die Überprüfung der Sprachentwicklung von Kindern, Begleitung von Therapien oder Screening-Verfahren bei psychischen Erkrankungen. Unter Berücksichtigung aktueller Datenschutzgesetze, die zum Teil bis in das Strafgesetzbuch wirken (Verbot der Aufzeichnung des privat gesprochenen Wortes ohne Einverständnis), werden in diesem Projekt zur Wahrung der Privatsphäre keine Audioaufnahmen, sondern ausschließlich charakteristische Merkmale gespeichert. Diese Merkmale werden im Laufe meiner Promotion optimiert, sodass sie weder eine Rekonstruktion von verständlicher Sprache (engl. automatic speech recognition) noch eine Zuordnung zu einer_m bestimmten Sprecher_in (engl. automatic speaker verification) zulassen.