Nautik und Seeverkehr

Der Studiengang Nautik und Seeverkehr richtet sich an alle Studieninteressenten, die sich für die Führung von Seeschiffen interessieren. Studierende dieses Studiengangs sollten demnach von ihrem Eignungs- und Neigungsprofil sowohl technologie- und managementorientiert als auch an der Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen anderer Kulturkreise interessiert sein.

Das Studium enthält neben seemännischen Fächern auch naturwissenschaftliche, juristische und betriebswirtschaftliche Schwerpunkte und führt neben dem Befähigungszeugnis als Wachoffizier zum akademischen Abschluss Bachelor of Science (B.Sc.). Das Befähigungszeugnis zum Kapitän wird später auf Basis der Berufserfahrung ohne weitere Prüfung erworben.

Nach dem Abitur bzw. der Fachhochschulreife ist der Erwerb des Befähigungszeugnisses für die weltweite Seeschifffahrt auf verschiedenen Ausbildungswegen möglich:

  • über das Fachhochschulstudium (8 Semester) mit 2 integrierten Praxissemestern
  • über die Ausbildung als Schiffsmechaniker oder Nautischer Offiziersassistent und das Fachhochschulstudium (6 Semester)

Das Studium kann im Sommer- oder Wintersemester begonnen werden. Die Bewerbungsfristen sind der 15. Januar bzw. der 15. Juli, die Bewerbung erfolgt ausschließlich online.

Eine weitere Voraussetzung zur Aufnahme des Studiums ist neben dem Abitur oder der Fachhochschulreife der Nachweis der Seediensttauglichkeit, Hinweise dazu finden Sie im Studienführer.

Dringend empfehlen wir auch die Teilnahme an einem Sicherheitsgrundlehrgang vor Beginn des Studiums. Hinweise dazu finden Sie ebenfalls im Studienführer.

Was unsere Nautik-Studierenden sagen:

Der Studiengang Nautik und Seeverkehr ist inhaltlich breit gefächert, den Schwerpunkt bilden technische Fächer. Charakteristisch für das Studium in Elsfleth ist die enge Verknüpfung zwischen Vorlesungen und berufspraktischen Phasen im Studium.

Das erste Semester bereitet alle Studierenden auf das Praxissemester an Bord vor. Vor allem in der nautischen Einführungsvorlesung und auf der Ausbildungsreise mit dem Segelschulschiff „Großherzogin Elisabeth“ werden seemännische Grundlagen vermittelt. In den Englisch-Vorlesungen lernen die Studierenden die für den Einsatz mit multinationalen Crews notwendige Fachsprache kennen. Zusätzliche Kurse – z. B. Schweißkurse und Kurse für die Passagierschifffahrt oder Tankschifffahrt - ergänzen das Angebot für die Studierenden. Die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten kommen ihnen schon bei der Bewerbung um einen Bordausbildungsplatz zugute. Diejenigen, die ihre Fahrtzeit als NOA oder im Praxissemester vor dem Studium absolviert haben, werden in diesen einführenden Vorlesungen die in der Praxis erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten systematisch aufarbeiten. Schiffsmechanikern werden große Teile des ersten Semesters aufgrund der Ausbildung an der Berufsschule anerkannt. Details hierzu sind im Studienführer zu finden.

Im weiteren Verlauf des Grundstudiums folgen nach dem ersten Praxissemester erste anwendungsorientierte Lehrveranstaltungen wie Technische Navigation, Meteorologie und Schiffstheorie.

Im Hauptstudium werden darauf aufbauend alle für den Beruf des Kapitäns wichtigen Themenbereiche vermittelt. Dazu gehören neben den Fächern der Bereiche Schiffsführung (Technische Navigation, Manövrieren, Meteorologie, Verkehrsrecht, Notfallmanagement) und Ladung (Stabilität und Festigkeit, Ladungstechnik, Gefährliche Ladung, Seehandelsrecht) auch Fächer wie Personalführung oder Betriebswirtschaft, die auf die Führung des Schiffsbetriebes abzielen. Neben den im Vergleich zu anderen Hochschulen sehr umfangreichen Simulatorübungen findet im Hauptstudium auch die zweite Ausbildungsreise mit dem Schulschiff statt. Auf der Reise fahren die Studierenden unter Aufsicht das Schiff selbstständig, gewinnen praktische Erfahrung in der Schiffsführung und üben Führungskompetenzen ein.

Im Hauptstudium wählen die Studierenden einen der Profilbereiche

  • Maritime Technik
  • Wirtschaft / Recht
  • oder Lotswesen / Verkehrssicherung.

Unabhängig vom Erwerb des Befähigungszeugnisses setzen die Studierenden hier einen Studienschwerpunkt, in dem sie sich auf ihre spätere Berufstätigkeit im maritimen Umfeld vorbereiten können. Im Profil Maritime Technik werden die Studierenden auch in laufende Forschungsprojekte des Fachbereichs einbezogen. Im siebten Semester folgt das zweite Praxissemester, das unmittelbar auf den Einsatz als Wachoffizier vorbereitet. Im letzten Semester wird das Studium mit umfangreichen Simulatorübungen, den Abschlussprüfungen und der Bachelorarbeit abgeschlossen.

Zum Ablauf des Studiums „Nautik und Seeverkehr“ und zu den Vorteilen am Fachbereich Seefahrt und Logistik finden Sie ausführliche Informationen im Studienführer und in der FAQ rund um Einschreibung und Praxisemester.

Einen Überblick über die Lehrveranstaltungen im Studium bietet die folgende Tabelle:

Lehrveranstaltungen im Studiengang Nautik und Seeverkehr

1. Semester 2 3 4 5 6 7 8
Nautische Grundlagen 1. Praxis­semester 3) Schiffstheorie Techn. Navigation 1 + Simulation Klass. Navigation 2 Manövrieren + Simulation 2. Praxis­semester 3) Schiffs­führung
Ausbildunsg­­reise 1) System­überwachung Wachdienst + Simulation Techn. Navigation 2 Ausbildungsreise Simulation
Klass. Navigation 1 Informatik Personal­führung Ladungstechnik Notfall­management Ladung und Stauung
Englisch BWL Maritimes Englisch Gefährliche Ladung Telekommu­nikation
Physik Meteorologie Gesundheits­pflege Profil Modul 1 2) Profil Modul 2 2) Profil Modul 3 2)
Mathematik 1 Mathematik 2 oder Statistik Wirtschafts­privatrecht Seehandelsrecht Öff. Schiff­fahrtsrecht 2 Bachelorarbeit
Öff. Schiff­fahrtsrecht 1
1Die Studierenden werden auf einer 14-tägigen Reise auf dem Schulschiff „Großherzogin Elisabeth“ intensiv auf den ersten Einsatz auf einem Handelsschiff vorbereitet.
2Profil-Module: Die Studierenden haben die Wahl zwischen den Profilen Maritime Technik, Maritime Wirtschaft und Lotswesen / Verkehrssicherung.
3Die Praxissemester entfallen für NOA und Schiffsmechaniker und, bei Anerkennung durch das BSH, für Marineangehörige. Das erste Praxissemester kann bei Vorlage eines Praxissemestervertrages auch im ersten Semester absolviert werden. Das zweite Praxissemester kann bei Erfüllung aller Zulassungsvoraussetzungen auch früher absolviert werden.

Praxissemester

Die praktische Bordausbildung kann über eine Berufsausbildung als Schiffsmechanikerin oder Schiffsmechaniker (SM) oder eine Ausbildung als Nautische(r) Offiziersassistent(in) (NOA) erfolgen. Die Ausbildung als NOA kann entweder vor dem Studium auf Basis eines NOA-Vertrages mit einer Reederei oder im Laufe des Studiums in Praxissemestern absolviert werden. Inhaltlich und praktisch unterschieden sich beide Ausbildungen nicht. Seit vielen Jahren wird der bei weitem größte Teil der nautischen Offiziere auf dem Weg über Praxissemester ausgebildet.

Das erste Praxissemester liegt in der Regel im zweiten Semester. Der Fachbereich unterstützt die Studierenden bei der Suche nach geeigneten Plätzen und bei der Bewerbung. Studierende, die bereits einen Praxissemestervertrag mit einer Reederei geschlossen haben,  können das Praxissemester auch im ersten Semester ableisten. Ausgebildete NOA oder Schiffsmechaniker absolvieren keine  Praxissemester.

Ausbildungsfahrten auf dem Segelschulschiff

An der Jade Hochschule absolvieren alle Nautikerinnen und Nautiker zwei Ausbildungsfahrten auf dem Segelschulschiff „Großherzogin Elisabeth“. Im ersten Semester üben sie hier grundlegende seemännische Fertigkeiten ein. Im siebten Semester fahren sie das Schiff allein - natürlich unter Aufsicht der Dozenten. Die gemeinsamen Reisen und die gemeinsame Arbeit auf einem Segelschiff fördert Teamgeist und soziale Kompetenzen. Studierende und Lehrende lernen sich hier - anders als in Vorlesungen - auch als Seeleute gegenseitig kennen. Alle Studierenden sind natürlich auch auf den Reisen des Schulschiffvereins, z. B. bei den alljährlichen Großseglertreffen und -regatten, als Crewmitglieder willkommen.

Ausbildung an den Simulatoren

Der Fachbereich in Elsfleth verfügt über modernste Simulationsanlagen, die über Wartungsverträge jedes Jahr auf den neuesten Stand gebracht werden. Zu diesen Simulatoren gehören neben dem Schiffsführungssimulator auch Simulatoren für den Ladungsumschlag auf Tankern, für die Ausbildung an elektronischen Seekarten (ECDIS),  für das sog. Dynamic Positioning und Funksimulatoren.

Charakteristisch für die Ausbildung in Elsfleth ist neben dem Einsatz eines Segelschulschiffes der studienbegleitende Einsatz der Simulatoren. Schon im  ersten Semester erlernen die Studierenden vor ihrer Ausbildungsreise im Schiffsführungssimulator das Steuern eines Schiffes und einfache Arbeiten an Radargeräten und elektronischen Seekarten. In den weiterführenden Lehrveranstaltungen Technische Navigation, Wachdienst, Ladungstechnik Manövrieren und Schiffsführung wird die Vermittlung theoretischer Inhalte in Vorlesungen immer mit Übungen an Simulatoren verknüpft. Einen Überblick bietet die folgende Tabelle:

Semester Stunden Inhalte der Übungen
1 15 Übungen zur Vorlesung Nautische Grundlagen
Inhalte zur Vorbereitung auf die Ausbildungsreise im ersten Semester: Steuern, Ruderkommandos, Ausguck, Melden von Schiffen, Grundkenntnisse Gerätekunde
4 36 Übungen zur Vorlesung Technische Navigation
Radar, ARPA, elektronische Seekarte, GPS, Selbststeuer, GMDSS-Anlage, AIS
  18 Übungen zur Vorlesung Wachdienst
Einführende Übungen zur Kollisionsverhütung (Seeverkehrsrecht)
6 54 Übungen zur Vorlesung Manövrieren
Übungen mit verschiedenen Schiffstypen bei unterschiedlichen Sichtverhältnissen (Tag, Nacht, Nebel, ...) und unter Wind- und Stromeinfluss, Revierfahrt nach Sicht und Seezeichen, Passier- und Überholmanöver, Fahren in engen und flachen Gewässern, Hafenmanöver und Ankermanöver
8 72 Schiffsführung
Komplexe Übungen zur Reiseplanung, Ansteuerungen dicht befahrener Reviere, Funkverkehr und Kommunikation, Schiffsführung bei Seenotfällen, Bridgeteam- und Notfallmanagement
Das Modul beinhaltet die praktische Abschlussprüfung.
insgesamt 195 Stunden Simulatorausbildung

Berufsfeld

Schiffsoffiziere und Kapitäne üben im Rahmen ihrer Befugnisse folgende Tätigkeiten im nautischen Dienst auf Handelsschiffen aus:

  • Schiffsführung (u. a. Navigieren und Manövrieren eines Schiffes, Bedienen und Überwachen der technischen Einrichtungen auf der Brücke)
  • Ladungsbetrieb (u. a. Überwachen der See- und Ladetüchtigkeit des Schiffes, Beladungsplanung und Überwachung, Durchführung der vom Reeder und von den Ladungsbeteiligten übertragenen Aufgaben)
  • Schiffsbetrieb (u. a. Wahrnehmen der Fürsorgepflicht für Besatzung und Fahrgäste, Führen von Menschen im Schiffsbetrieb, Planen und Durchführen des Arbeitseinsatzes und der Ausbildung an Bord)

Derzeit befindet sich die deutsche Seeschifffahrt noch in der Krise. Da aber alle Prognosen weiterhin von einem Wachstum der internationalen Seefahrt ausgehen und Schiffsoffiziere mit einem deutschen Befähigungszeugnis weltweit hohe Anerkennung genießen, werden sich für zukünftige Absolventinnen und Absolventen auch weiterhin gute internationale Berufschancen bieten.

Eine Weiterbildung mit einem Masterstudiengang Maritime Management ist am Fachbereich in Elsfleth sowohl im Präsenz- als auch im Fernstudium möglich.

Haben Sie noch Fragen? Wir helfen gerne!

Jade Lotsen

Unsere Studienberater Thorsten Löffler und Kapt. Prof. Dr. Christoph Wand stehen Ihnen für alle Fragen zur Verfügung. Da man den besten Eindruck vor Ort gewinnt, können Sie sich auch von Studierenden durch die Hochschule führen lassen. Der Fachbereich bietet auch in jedem Semester, meist im Juni und im Dezember, Einführungstage an. Das Programm wird regelmäßig auf der Webseite bekannt gegeben.