Prof. Dr. Michael Klafft referierte über die Potentiale eines Navis, dass auf Umwelteinflüsse reagiert.
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Prof. Dr. Michael Klafft: Wie Wetterbedingungen die Routenplanung beeinflussen

Risikokommunikation zwischen Autofahrer und Navigationssystem – wie diese bei sich verändernden Wettersituationen aussehen könnte, veranschaulichte Prof. Dr. Michael Klafft am Donnerstagabend in der Jade Hochschule Wilhelmshaven. Im Rahmen der Vortragsreihe des Instituts für Medienwirtschaft und Journalismus referierte er über die Chancen eines intelligenten Navigationssystems, das Wetterprognosen berücksichtigt. Klafft ist Professor für Wirtschaftsinformatik an der Jade Hochschule und beschäftigt sich in seinen Forschungsschwerpunkten mit Krisenkommunikation und der Bevölkerungswarnung mit Hilfe digitaler Medien.

Wetter und das Fahrverhalten

Die Idee, Wettervorhersagen in die Routenplanung mit einzubeziehen, gibt es schon seit einigen Jahren, wurde aber für die Routenplanung privater Kraftahrzeuge bisher nicht umgesetzt – und dies, obwohl der Einfluss des Wetters auf die Fahrgeschwindigkeit klar belegt ist. Daneben gibt es zahlreiche weitere Faktoren, die die Fahrgeschwindigkeit beeinflussen, wie der Zustand der Infrastruktur und Verschmutzungen und Schäden der Fahrbahn. Auch ob es sich um eine Schlecht- oder Extremwetterlage handelt, spielt bei der Bestimmung der optimalen Route eine Rolle.

Das Forschungsprojekt "MeteoValue"

Im Rahmen des Forschungsprojektes „MeteoValue“, das vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert wurde, untersuchte Klafft mit seinem Team Konzepte für Navigationssysteme, die Wettervorhersagen mit einbeziehen. Dazu wurden in Fokusgruppen Nutzer aller Altersgruppen und aus unterschiedlichen Regionen zu ihrer Meinung über solche Systeme befragt. Das Navigationssystem wurde zum einen paternalistisch gezeigt, also „befehlend“: Das System gab bei Extremwettersituationen eine alternative Route vor, die von dem Autofahrer gewählt werden musste. Unterstützend wirkten dabei akustische und visuelle Signale, wie beispielsweise das Hervorheben der Meldung durch einen Signalton. Klafft führte weiter aus: „Wir überprüften während der Interviews, welche Hintergrundinformationen vom Nutzer gewünscht sind.“ Zum anderen gab es Versionen des Systems, bei denen der Nutzer frei wählen konnte, ob er die vorgeschlagene Route fährt. Auch die optische Darstellungsform der Warnung wurde in den Interviews genauer untersucht.

Ergebnisse der Fokusgruppeninterviews

Die Ergebnisse der Fokusgruppeninterviews waren eindeutig: Die meisten Fahrer akzeptieren den vorgeschlagenen Dienst, aber wollen nichts oder sehr wenig zahlen. Klafft sieht trotzdem Chancen für die Zukunft: „Möglich wäre, dass die Autoversicherungen solche Navigationssysteme bezahlen, da Schäden reduziert werden. Das könnte für eine Versicherung ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber Wettbewerbern sein.“ Grundsätzlich lehnten die Befragten ein Navigationssystem mit paternalistischen Zügen ab, da es den Nutzer zu sehr bevormundet. Allerdings gab eine Mehrzahl der Befragten an, dass sie bei offiziellen Katastrophenwarnungen ein paternalistisches System akzeptieren würden. Die Art des Schlechtwettereignisses spielt demnach eine große Rolle. „Bei Extremwettersituationen, die auch amtlich bestätigt sind, wünschen sich die Nutzer zusätzlich einen speziellen Alarmton,“ erläuterte Klafft.

Als Ausblick gab Klafft an, dass noch weitere Daten erhoben und auch Fahrer aus anderen Kulturkreisen berücksichtigt werden müssen, da sie ein anderes Fahrverhalten aufweisen. In einer abschließenden Debatte stellte Klafft noch weitere Lösungen für ein Navigationssystem vor und diskutierte diese mit dem Publikum.